Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

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Fred
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Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

Beitrag von Fred » 25.03.2020, 15:39

Spiegel Artikel vom 12.3.202: Forscher warnen vor Ökosystem-Kollaps innerhalb von Jahrzehnten

Fazit: "Verblüffend ist, welch kurze Zeiträume die Forscher für die Transformation solch riesiger Areale errechnet haben wollen. So könne der 5,5 Millionen Quadratkilometer messende Amazonas nach ihren statistischen Analysen innerhalb von rund 50 Jahren kollabieren, die etwa 20.000 Quadratkilometer Korallenriffe der Karibik sogar in nur 15 Jahre"

Link zum Artikel:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/men ... 4335492b4b



Viktualia
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Re: Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

Beitrag von Viktualia » 25.03.2020, 18:26

Fred, Bitte, in dem Artikel steht weder was Neues, noch irgendwas Erhellendes.
Es klingt für mich eher nach "Korona im Urwald":
Das Besondere an den größeren der betrachteten Ökosystemen sei gewesen, dass sie aus verschiedenen Subsystemen bestanden hätten, so das Team. Zunächst habe das bei Stress die Widerstandsfähigkeit des Gesamtsystems erhöht. Sei aber eine bestimmte Schwelle der Belastung überschritten worden, habe die Modularität zusätzliche Probleme gebracht und für einen schnelleren Kollaps gesorgt.
(Ich hätte nie gedacht, dass sowenig Menschen verstehen, wie eine "Exponentialfunktion" funktioniert; und selbst die, die es verstehen, sehen/verarbeiten nicht gleich, dass 10 erkrankte Ärzte in einem Krankenhaus was anderes sind, als einfach 10 Patienten mehr.)

Und dieser Satz hier:
Nur weil die Ökosysteme seit Tausenden von Jahren existiert hätten, hieße das nicht, dass sie nicht innerhalb von Jahrzehnten verschwinden könnten.
ist doch ne Variation von "wir müssen die Natur retten" - als ob "die Natur", ausserhalb von uns, auf unser edles Tun warten täte.

Natürlich ändert sich was, wenn sich was ändert -
und natürlich wäre es angebracht, wenn die Menschen mal Verantwortung für ihr Konsumverhalten an den Tag legen würden.
Mich stört die Implikation, dass die Natur sich nicht um Längen besser selber heilen könne als wir Menschlein mit unserer beschränkten Sicht erfassen.
Mich stört die (zugegeben indirekte) Implikation, wir sollten was tun - wir sollten was lassen: das Verschwenden.
Abstand vom kompensierenden Konsum nehmen - mehr als 1,5 Meter.
Um uns selber zu schützen und die Verbreitung des Irrsinns (endlich) einzudämmen.

Und, sorry, ich bin wohl wegen "der Situation" etwas empfindlich im Moment, aber Panikmeldungen reizen mich zum Widerspruch.
Ich hoffe sehr, dass der Wandel des Klimas durch die Pandemie einen Impuls bekommt, der Globalsierung und Verteilung in ein besseres Gleichgewicht bringt. Wir haben bald die Möglichkeit dazu. Theoretisch. Wenn wir uns nicht praktisch vor lauter Panik die Sicht vernebeln.

Schön wäre, wenn jetzt viele Menschen ein Statement zur "Rettung der Wirtschaft" vs. "Erhalt der Natur" abgeben würden
und in der Lage wären, den vermeintlichen "Verzicht" als Gewinn zu sehen und anderen dies "vorzurechnen".



Fred
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Re: Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

Beitrag von Fred » 27.03.2020, 21:28

Viktualia hat geschrieben:
25.03.2020, 18:26
Fred, Bitte, in dem Artikel steht weder was Neues, noch irgendwas Erhellendes.
Für dich wahrscheinlich nicht. Ich habe das ja auch hier im Stammtisch eingestellt. Wobei ich die Publikation dennoch für bemerksenwert finde, weil der Spiegel als Massen-Medium und als Leitmedium in Deutschland gilt. Und damit die Botschaft: Der Zusammenbruch der Ökosysteme ist das vordringlichste Problem jetzt im allgemeinen Wissen angekommen sein sollte oder anzukommen beginnt.
Und das halte ich für einen wichtigen Punkt, daß dies eben nicht in einem Spezial-Journal für exklusive Fachzirkel steht, deshalt halte ich wert, hier im Forum auf den Artikel hinzuweisen.
Eigentlich halte ich den Artikel sogar für epochal. Ab sofort kann man sagen: "Hey, Leute inzwischen stand sogar im Spiegel: Wir müssen uns um die Ökosysteme, um das ganze kümmern, die drohen uns um die Ohren zu fliegen. Es reicht nicht auf einzelne Umweltthemen alleine schauen, so drängend CO2, Plastik, Glyphosat, Flüsse usw.. auch sein mögen. Wir brauchen jetzt die systematischen Ansätze, wie z.b. die Regenerative Landwirtschaft, es geht jetzt um das Ganze. ".
Ich denke, ich werde oft auf den Artikel hinweisen, ihn zu meinen Standartverweisen hinzufügen, auch wenn er inhaltlich "nicht gerade avantgarde" ist.



Fred
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Re: Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

Beitrag von Fred » 27.03.2020, 21:44

Viktualia hat geschrieben:
25.03.2020, 18:26
Und, sorry, ich bin wohl wegen "der Situation" etwas empfindlich im Moment, aber Panikmeldungen reizen mich zum Widerspruch.
Ich hoffe sehr, dass der Wandel des Klimas durch die Pandemie einen Impuls bekommt, der Globalsierung und Verteilung in ein besseres Gleichgewicht bringt. Wir haben bald die Möglichkeit dazu. Theoretisch. Wenn wir uns nicht praktisch vor lauter Panik die Sicht vernebeln.
Jedenfalls sind die Menschen jetzt aus ihrem (gedankenlosen) Alltagstrott mal herausgerissen, und bekommen unsanft eine kalte Dusche verpasst. So etwas kann durchaus helfen neue Anstöße zu geben/ neue Impulse zu setzen.



Fred
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Re: Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

Beitrag von Fred » 27.03.2020, 22:11

Viktualia, wenn du es gerne etwas habhafter haben willst, dann kannst du dir ja den wissenchaftlichen Article ansehen, auf dem die Publikation basiert:

Nature Communications ARTICLE: "Regime shifts occur disproportionately faster in larger ecosystems". Ist sogar in voller länge im Web einsehbar. Aus dem Abstract:
Nature Communications ARTICLE: "Regime shifts occur disproportionately faster in larger ecosystems"

Regime shifts can abruptly affect hydrological, climatic and terrestrial systems, leading to
degraded ecosystems and impoverished societies.
[...]
The findings imply that shifts in Earth ecosystems occur over ‘human’ timescales of years and decades, meaning the collapse of large vulnerable ecosystems, such as the Amazon rainforest and Caribbean coral reefs, may take only a few decades once triggered.
Übersetzt:
Nature Communications: Regimewechsel treten in größeren Ökosystemen überproportional schnell auf

Regimeveränderungen können sich abrupt auf hydrologische, klimatische und terrestrische Systeme auswirken und zu
degradierten Ökosysteme und verarmten Gesellschaften führen.
[...]
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verschiebungen in den Ökosystemen der Erde innerhalb „menschlicher“ Zeiträume von Jahren und Jahrzehnten auftreten, was bedeutet, dass der Zusammenbruch großer gefährdeter Ökosysteme wie des Amazonas-Regenwaldes und der karibischen Korallenriffe nach ihrer Auslösung nur wenige Jahrzehnte dauern kann.
Cooper, G.S., Willcock, S. & Dearing, J.A. "Regime shifts occur disproportionately faster in larger ecosystems". Nat Commun 11, 1175 (2020). https://doi.org/10.1038/s41467-020-15029-x
https://www.nature.com/articles/s41467-020-15029-x abgerufen am Fr 27 Mär 2020 22:08:09 CET

Auf gut Deutsch: Große Ökosysteme sind kein Garant für deren langzeit Stabilität. Sie können viel schneller kippen, als den Menschen, die dieses System unbesonnen ausbeuten lieb ist. Also kann damit all denen die z.B. behaupten Amazonien wäre so groß, da könne so schnell garnichts pasieren, wenn sie weiterhin hektarweise abholzen wissenschatlich damit entgegnet werden.



Viktualia
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Re: Spiegel: Gefahr Ökosystemkollaps

Beitrag von Viktualia » 28.03.2020, 08:03

Hallo Fred, ´tschuldigung und Danke - das mit dem "Stammtisch" ist ein Punkt, den ich tatsächlich übersehen hatte
und der absolut Sinn macht, also auch das mit dem "in einfachen Worten für die breite Masse".
Und du hast auch insofern Recht, dass es, wie der Klimawandel, in der sogenannten "Mitte der Gesellschaft" ankommt, so langsam.

Aber mein Punkt, dass es jetzt auf Selbstheilungskräfte ankommt, die vorhanden sind
und die nicht in einer Angst- und Panikwelle untergehen dürfen,
sollte ebenfalls gelten dürfen, damit da auch was positives bei rumkommen kann.
(Oder vielleicht ist auch ne Portion Panik angebracht, damit überhaupt mal umgedacht wird, mag sein.)

Ich bin grad, wie alle wohl, noch damit beschäftigt, mich auf die "Situation" einzutunen
und damit fertig zu werden, wie meine Umwelt die "Fakten" (i.S. von "unterschiedliche/unvollständige Statistiken") interpretiert.
Und da mich die Unfähigkeit einfacher Menschen, eine "Exponentialfunktion" zu erkenen, wenn sie ihnen in die Nase beisst, schon fertig macht,
zieh ich bei "disproportionately faster" erst mal die Augenbrauen hoch.
Ich kleines Licht finde das so vollkommen logisch - und umgekehrt fand ich die Ausbeuterei immer ungeheuer fahrlässig -
dass ich da jetzt zu meiner vermeintlichen "Arroganz" stehe.
Ich find´s halt enorm dumm, anzunehmen, "Stabilität" sei eine Frage der Größe und nicht der Struktur.

Aber nochmal Danke, denn am wichtigsten ist jetzt echt, dass wir es überhaupt kommunizieren und es auf einen anderen, besseren Weg bringen.
Egal, ob aus wissenschaftlicher Sicht, der der Masse oder als Maurerstochter, oder...



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