Humusstatus der Böden

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Fred
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Humusstatus der Böden

Beitrag von Fred » 26.09.2019, 01:59

Das Umweltbundesamt hat eine Untersuchung zu den Humusgehalten der Böden veröffentlicht (28.8.2019).

Für die drei Hauptlandnutzungen Acker, Grünland und Wald/Forst werden in der folgenden Abbildung die Häufigkeitsverteilungen der Humusgehalte dargestellt. Höhere Humusgehalte in den Oberböden sind in der aufsteigenden Reihenfolge Acker – Forst – Grünland zu beobachten. Unter Ackernutzung liegen die Humusgehalte überwiegend bei 1-4 %, bei forstlicher Nutzung bei 2-8 % und unter Grünland bei 4-15 %. Dieses Muster zeigt sich auch in den Extremwerten: die Ackernutzung ist bei Humusgehalten kleiner als 1 % am häufigsten vertreten, bei Humusgehalten größer als 30 % findet sich hauptsächlich Grünland.

Bild

Webseite auf UBA: https://www.umweltbundesamt.de/daten/fl ... textpart-1

Zum Abschlussbereicht: https://www.umweltbundesamt.de/publikat ... htlicher-0



Fred
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Re: Humusstatus der Böden

Beitrag von Fred » 26.09.2019, 02:23

Aus dem Bericht zu den Humusgehalten der Boden Dauer Test Flächen (BDF):

Der Mittelwert aller gemessenen TOC-Gehalte (n = 1158) an 312 Acker BDF beträgt 1,85 % (SD
2,52), das Minimum 0,34 %, das untere Quartil 1,13 %, der Median 1,49 %, das obere Quartil
1,94 %.und das Maximum 40,01 %. Mehr als die Hälfte der Werte liegt zwischen etwa 1 und 2
% (unteres bzw. oberes Quartil).
S35.



Manfred
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Re: Humusstatus der Böden

Beitrag von Manfred » 26.09.2019, 09:14

Größer 15 Prozent gibt es vermutlich fast(?) nur bei Moorstandorten.

Wie wurden die Flächen denn ausgewählt, bzw. woher stammen die Daten
Die Boden Dauer Test Flächen alleine scheinen es ja nicht alleine gewesen zu sein, wenn davon mehr als die Hälfte 1 bis 2 % haben.



Manfred
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Re: Humusstatus der Böden

Beitrag von Manfred » 26.09.2019, 09:18

Ah, ok, die Datenquelle für die Grafik ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Boden ... richt.html

Da fragt man sich wieder, wieso das Testflächennetz des Ministeriums nicht repräsentativ ist, sondern deutlich niedrigere Gehalte ausweist.
Quasi umgekehrt zum Testnetz beim Nitrat, für das selektiv Messstellen mit erhöhten Werten ausgesucht wurden...

Manipulation wohin man schaut.



Fred
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Re: Humusstatus der Böden

Beitrag von Fred » 26.09.2019, 16:29

Ich denke die Grafik ist sehr gnädig zu den Ackerböden. Nach Kinsey geht das Bodenleben unter 2¼-2½ % in einen "Hungermodus" wie er schreibt. Die Wissenschaft freut sich, bei geringen Humusgehalten ist der Humusabbau pro Jahr nicht mehr so hoch, ein Bodenleben im Anabiose-Schlafzustand verbraucht kein Kohlenstoff mehr. Daher rechne ich damit, die meisten Ackerflächen der Kategorie 2-4% im Bereich 2- 2½ % sind. Aber das sieht man in der Grafik nicht.

Andererseits sind die BDF, die Boden Dauerbeobachtungsflächen, welche in der anderen Statistik ausgewertet wurden Flächen die bereits lange nach "bester fachlicher Praxis" bearbeitet werden. Daher kann schon sein, daß diese Flächen schlechter als der "Durchschnitt" sind. Dafür sind u.a. 2 Erklärungen denkbar: a) Schnitt anderer Bauernschaft arbeitet besser als auf Dauerbeobachtungsflächen, und b) es sind noch viele Flächen darunter, die noch nicht solange in Ackernutzung sind, und noch von einem Humuspotential aus vergangenen Zeiten zehren.

Ich finde vorallem auch Bemerkenswert, wieviel besser Weideland in der Grafik abschneidet...

An dieser Stelle will ich auf den eremitierten Prof. Körschens hinweisen. Er hat in der DDR viele Versuche zum Humusgehalt der Böden geleitet (und beansprucht, daß der heutige Forschungsstand VDLUFA noch immer seinen Erkentnissen entspricht). Von ihm ist ein aufgezeichneter Vortrag im Netz, auch ein Foliensatz. Sieht man sich das an, dann sind Humusgehalte von 1-2% im Acker völlig normal und mehr als 4% utopisch -vielleicht in juvenilen Böden, und jede Veränderung von mehr als 0,01% im Jahr unglaubwürdig [Wobei das nachvollziehbar ist, wenn man den liquid carbon path übersieht].



mairgans
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Re: Humusstatus der Böden

Beitrag von mairgans » 27.09.2019, 10:01

ich bin immer vorsichtig mit solchen Daten.
der Humusgehalt hängt auch vom Boden ab. Daher ist der absolute Humusgehalt nicht aussagekräftig, wenn ich nicht den Bodentyp kenne.
Sandboden mit 2% ist sehr gut, Tonhaltiger Boden ist schlecht.....

und der Dauer und Nährhumus werden so gut wie nie gemessen. Es wird ja immer nur der Kohlenstoffgehalt gemessen und dann hochgerechnet wieviel Humus es ist. Wenn ich Holz und Kohle hinfahre habe ich viel C, aber auch keinen Humus.
Humus ist der Lebendverbaute Bodenkrümmel. Also braucht man beim Humusbestimmen auch eine Messung und Beurteilung der Bodenmikrobiologie.

Bodenchroma, Mikrobiomutersuchung etc.



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