Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Nakati
Beiträge: 54
Registriert: 08.04.2018, 12:21

Re: Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Beitrag von Nakati » 21.04.2019, 08:47

Hallo Poldi,
Poldi hat geschrieben:
21.04.2019, 00:33
...
es geht um ein extern finanziertes (also nicht kommerziellen Verpflichtungen unterworfenes) Modellprojekt, das möglichst nah an "Wüste begrünen" herankommen soll, mit möglichst wenig Eintrag von aussen und low tech, aber Lösungen, die überzeugen.
...
Bin für weitere Ideen zur Realisierung dankbar!
Also mit diesen paar Infos ist es schwierig etwas zu sagen: Hier ein paar hilfreiche Infos
  • Region?
  • Boden?
  • Fläche?
  • Budget?
  • Zeitvorstellung?
  • Zielgruppe?
  • ...



Manfred
Site Admin
Beiträge: 690
Registriert: 31.03.2018, 12:46

Re: Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Beitrag von Manfred » 21.04.2019, 21:16

Aus meiner Sicht ist die wichtigste Frage:
Wer sind die beteiligten Personen, wer soll da dauerhaft wohnen, und was möchten diese Personen langfristig erreichen.
Mit viel Aufwand einen bewässerten Garten in die Wüste zu klatschen ist kein Problem.
Aber diese Fläche langfristig und wirtschaftlich zu nutzen, das ist die Herausforderung.

Jemand, der ein gutes Einkommen aus anderen Quellen hat und einfach eine grüne Oase und etwas Selbstversorgung möchte, hat ganz andere Anforderungen als der, der auf der Fläche etwas für den Verkauf anbauen und/oder Fütter über Tiere veredeln will und davon leben muss.
Den Unterhalt, ganz zu schweiben von der Investition, einer Entsalzungsanlage dauerhaft alleine über den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte zu finanzieren halte ich für nahezu unmöglich. Da müsste sich schon eine spezielle Vermarktungsnische finden. Agrarprodukte sind für sowas einfach viel zu billig.



Poldi
Beiträge: 12
Registriert: 13.04.2019, 11:18

Re: Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Beitrag von Poldi » 24.04.2019, 21:18

Hallo,

Danke für die Infos, lese mich gerade in die Grundlagen ein und bin mir sicher, dass sich das Projekt ändern wird - Wüstensand intensiv zu begrünen ist wohl eher nicht erstrebenswert. Es geht um ein "Leuchtturmprojekt", das von kompetenten Leuten betreut werden soll und das dauerhaft von externen Mitteln finanziert werden kann.

Dass wir wirklich grundlegend was ändern können habe ich u.a. dank dieses Forums verstanden, was würdet Ihr mit Eurem Wissen machen? Es gibt Wissenschaftler, die haben selbst ausgelaugte, abgewirtschaftete Farmen gekauft und gezeigt, was man machen kann und was das bewirkt - Resonanz nahe null.

Muss man doch die Wüste begrünen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Darum geht es auf jeden Fall auch, wie bekomme ich maximales Interesse für diese Themen?

Eine Meerwasserentsalzungsanlage würde nur passiv in Frage kommen, Wasser verdunstet nur und wird dem Land zugeführt.

Muss mich noch weiter einlesen.:thumbsup:



Manfred
Site Admin
Beiträge: 690
Registriert: 31.03.2018, 12:46

Re: Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Beitrag von Manfred » 25.04.2019, 08:52

Was hilft ein Leuchtturmprojekt, wenn es sich wirtschaftlich nicht trägt und deshalb nicht übernommen und großflächig skaliert werden kann?
Wir haben so viele hochsubventionierte "Naturschutz"- und "Entwicklungshilfe"-Projekte. Dafür werden viele Milliarden jedes Jahr ausgegeben. Und was kommt dabei heraus? Sobald die Subventionen stoppen, gehen die Projekte den Bach runter.

Da kann man vom Savory-Netzwerk viel lernen. Die Savory-Hubs erhalten keine finanzielle Unterstützung aus dem Netzwerk, sondern nur Wissen. Sie müssen sich wirtschaftlich selbst tragen. Denn nur so entstehen skalierbare Lösungen.

Sinnvoll subventionieren kann man im Bereich regenerative Landwirtschaft nur die Verbreitung von Wissen. Also z.B. die wissenschaftliche Begleitung, um die Ergebnisse zu dokumentieren, und die Anreise und Ausbildung von Personen, bzw. die Entsendung von Ausbildern zu diesen Personen, die das nicht selbst finanzieren können, Lobby- und Pressearbeit etc.

Es ist völlig normal, dass die Durchsetzung neuen Wissens Jahrzehnte dauert. Pioniere verzweifeln oft daran, dass sich ihr wissen nicht schneller verbreitet. Aber praktisch jede menschliche Bürokratie neigt dazu, sich Veränderungen in den Weg zu stellen. Deshalb ist der Anfang immer extrem zäh, bis irgendwann eine kritische Masse erreicht wird.
Beim Holistic Management und allgemein der regenativen Landwirtschaft haben wir den Vorteil, dass die Umsetzung den Betrieben wirtschaftliche Vorteile bringt. Und inzwischen passiert weltweit sehr viel. Die Zahl der Betriebe, die das umstezen, wächst exponentiell.
Hier in Mitteleuropa, mit seiner extremen Bürokatisierung der Landwirtschaft, sind die zu bohrenden Bretter viel dicker als anderswo. Deshalb sind wir noch Entwicklungsland auf diesem Gebiet.

Du scheinst ja finanzielle Möglichkeiten im Rücken zu haben.
An deiner Stelle würde ich Kontakt zu Allan Savory aufnehmen und mal einige der Projekte besuchen.
Über Facebook ist er meist gut erreichbar. Habe schon das eine oder andere Mal mit ihm geschrieben.
Ich beschäftige mich jetzt schon Jahre mit solchen Themen und was das Savory-Netzwerk tut, ist das am besten durchdachte Konzept, das mir bisher begegnet ist.

Wenn ich die persönlichen Voraussetzungen dafür hätte, würde ich in D einen Demonstrationsbetrieb aufbauen.
Von D geht leider durch unsere mächtigen "Naturschutz"- und "Entwicklungshilfe"-Organisationen sehr viel Schaden aus.
Würden diese ihre erheblichen Mittel anders einsetzen, könnte vieles auf diesem Planeten längst zum Besseren stehen.
Aus dem Systemwissenschaften wissen wir, dass diese Organisationen (wie fast jede Bürokratie) sich erst ändern können, wenn der entsprechende Druck aus der Bevölkerung kommt, weil sie von der öffentlichen Meinung der Finanzierung durch die Bevölkerung abhängig sind.
Und dazu muss die Bevölkerung lernen, wie es besser geht. Und dazu braucht es öffentlichkeitswirksame Praktiker.



Poldi
Beiträge: 12
Registriert: 13.04.2019, 11:18

Re: Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Beitrag von Poldi » 26.04.2019, 14:58

Danke für die Einschätzung und Deine Erfahrungen!
Was hilft ein Leuchtturmprojekt, wenn es sich wirtschaftlich nicht trägt und deshalb nicht übernommen und großflächig skaliert werden kann?
Danke, das habe ich gar nicht bedacht. Auch wenn man zeigen will, was maximal möglich ist, muss sich das Projekt selbst tragen, weil es sonst niemand nachahmt - das muss ich beim "Projektdesign" definitiv berücksichtigen.

Wissensverbreitung ist wichtig, hier soll es aber um ein konkretes Projekt, für das man Land kauft, gehen. Demonstrationsbetrieb in DE? Mal sehen, ich werde mich erstmal weiter einlesen, sehr spannendes Thema!:thumbsup:



Viktualia
Beiträge: 16
Registriert: 18.06.2018, 15:30

Re: Desert Control - mit "flüssigem Nanolehm" aus Wüsten landwirtschaftlich nutzbare Flächen machen?

Beitrag von Viktualia » 27.04.2019, 17:17

Es geht um ein "Leuchtturmprojekt", das von kompetenten Leuten betreut werden soll und das dauerhaft von externen Mitteln finanziert werden kann.
und
Was hilft ein Leuchtturmprojekt, wenn es sich wirtschaftlich nicht trägt und deshalb nicht übernommen und großflächig skaliert werden kann?
Grundsätzlich stimmt das natürlich, erst recht, wenn es darum geht, dass andere Praktiker sich ein Beispiel daran nehmen, aber da schleicht sich ein Kategorienfehler ein: die innovativen Bearbeitungsmethoden und die Verbreitung derselben ist nicht das Gleiche.
Wenn du, Poldi, die Kosten für den "Leuchtturm", also die "Werbung", die Verbreitung des Wissens, von Anfang an separat hälst, sind die Zahlen, die sich auf die Wirtschaftsweise beziehen, doch verwertbar, oder vertu ich mich da jetzt?
Es muss sich tragen können um sich für andere zu lohnen, aber die wollen dann die Konzepte für sich nutzen, die wollen ja nicht die Experten abwerben und diese zahlen. Das Problem hat doch mehr mit der Buchführung als mit dem Konzept zu tun, denk ich.

Dass die "Sicherheit" durch eine externe Finanzierung auch noch andere Nachteile hat, ist doch, bei einem "systemischen Ansatz", klar, oder?
"Nicht bedacht" - und was meinst du mit "maximal möglich"? Es geht eher um die "Werbung", Verbreitung von Ideen?
In der Kategorie "Ideen" ist maximal in Ordnung, in der Kategorie "Praxis" aber was anderes, da muss es auch Täler geben dürfen, sonst wird das nix mit dem Systemischen.

Wenn ich dich richtig verstehe, habt ihr die Möglichkeit, viel auszuprobieren und ne extrem gute Absicherung, eigentlich wäre keine Notfall-Planung nötig. Ich weis nicht, wie ich das ausdrücken soll, aber in meinen Augen ist der Notfall das, was den Menschen systemisch handeln lässt, auch wenn er das Wort "systemisch" nie in seinem Leben gehört hat.
Da seh ich ne Art Gefahr, die aber, wie gesagt, durch ein systemisches Konzept, Design, egal, Hauptsache, es ist echt und wird umgesetzt, ausgeglichen werden kann. Du musst halt nur "die Kategorien auseinander halten". (Ideen und Praxis, "Design" und Buchführung, systemisch und linear, Bezug und Messung.) Viel Glück!



Antworten