Feldtests zur Bodenqualität

Antworten
Arne
Beiträge: 17
Registriert: 06.08.2018, 06:51

Feldtests zur Bodenqualität

Beitrag von Arne » 11.11.2018, 20:49

Es gibt ja diverse, relativ einfach durchzuführende Test- oder Beurteilungsverfahren, um direkt auf dem Feld zügig und belastbar einzelne Eigenschaften des jeweiligen Bodens herauszufinden - etwa zwecks Verfahrensvergleich. Hier würde ich gerne einige davon sammeln.

Ich fange mal an mit dem Infiltrationstest (Ermittlung der Sickerfähigkeit des Bodens):

Hierzu benötigt man bspw. ein 150er oder 200er KG-Rohr von etwa 30-40cm Länge. Dieses wird etwas angefast, damit man es einige cm in die Erde schlagen kann. Damit man das Rohr nicht zerstört, sollte man mit einem Gummi-/Schonhammer oder einem Stück Kantholz als Prallholz quer übergelegt arbeiten.
Hier im Video wird einfach ein Eimer ohne Boden genutzt, geht natürlich auch - allerdings halte ich es für sinnvoller, das Behältnis einige cm in den Boden zu schlagen, um Versickerung zur Seite weitestgehend auszuschließen (da der Oberboden unterschiedlich locker ist):
https://www.youtube.com/watch?v=rIRbxCpS82E

Man benötigt jetzt noch eine Uhr mit Stoppfunktion und am besten eine dünne Folie - und natürlich Wasser (es wird destilliertes Wasser empfohlen, aber ich halte Regenwasser aus der Tonne für sinnvoller - aber letztendlich wird es, wo es nur auf den Vergleich ankommt, ebensogut mit Leitungswasser gehen). Je nachdem, wieviel Regen man simulieren möchte, muss man sich die Wassermenge ausrechnen. Bei einem 150er Rohr entsprechen 60mm Niederschlagsmenge beispielsweise gut 4l Testwasser (200er Rohr: 7,5l) - entscheidend ist natürlich auch, dass man alle Tests mit der gleichen Menge durchführt...

Die Folie wird über/in das Rohr gelegt, so dass man das Wasser zunächst in die Folie gießt (entsprechend groß ist sie zu wählen). Wir haben es auch ohne Folie probiert, geht auch - die Folie soll aber dafür sorgen, dass die Wassermenge schnell und zugleich ohne die Oberfläche allzu sehr zu stören appliziert werden kann. Man zieht die Folie weg und stoppt sofort die Zeit. Je schneller das Wasser versickert, desto besser... ;)

Es empfiehlt sich natürlich, die Vergleichstests am selben Tag durchzuführen, um Faktoren wie Zeit und Niederschläge als mögliche Fehler gering zu halten.



Arne
Beiträge: 17
Registriert: 06.08.2018, 06:51

Re: Feldtests zur Bodenqualität

Beitrag von Arne » 11.11.2018, 21:21

Hier noch ein englisches Video dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=iz415J3AOI4

Hier wird auch die Vorgehensweise mit der Folie gezeigt. Er meint auch, dass es egal ist, ob destilliertes oder Regenwasser. Ich persönlich finde große Rohre und große Wassermengen besser (da einfacher die Unterschiede herauszufinden sind), aber so ein Metallrohr hat natürlich auch etwas.



Manfred
Site Admin
Beiträge: 450
Registriert: 31.03.2018, 12:46

Re: Feldtests zur Bodenqualität

Beitrag von Manfred » 11.11.2018, 23:06

Um das "Problem" des seitlich wecksickernden Wassers zu reduzieren, werden teilweise auch Doppelring-Infiltrometer verwendet. Gemessen wird die Versickerung im inneren Ring. Der äußere Ring dient dazu, die Randeffekte zu reduzieren.

Die Frage ist halt, was man erreichen will.
Wenn es darum geht, zwei Flächen relativ zueinander zu vergleichen, reicht eine einfache Version.
Wenn es um absolute Werte geht (z.B. wegen Hochwasservorbeugung) macht der Aufwand für die Doppelring-Technik Sinn. Dann sollte man aber auch vorher definierte Feuchtebedingungen des Bodens schaffen. Sonst sind Versuche zu unterschiedlichen Zeitpunkten / an unterschiedlichen Standorten wieder nicht vergleichbar.



Christoph
Beiträge: 20
Registriert: 10.06.2018, 11:06

Re: Feldtests zur Bodenqualität

Beitrag von Christoph » 23.11.2018, 09:16

Es gibt da noch eine Möglichkeit (habe ich aus einem englischsprachigem Chat):
Die Tropfmethode
  • Boden vorsichtig freilegen (Gras, Blätter usw. entfernen, so dass man blanken Boden hat. Aufpassen das man den Boden dabei nicht künstlich verdichtet)
  • Mit einer Pipette EINEN Tropfen Wasser auf den Boden geben und die Zeit stoppen, die bis zum vollständigen Verschwinden des Tropfens nötig ist. Dabei für sich definieren, was mit vollständigem Verschwinden gemeint ist.
  • Zeit und Ort in Tabelle eintragen.
  • Den Test an verschiedenen Stellen wiederholen, um ein Gefühl für die Varianz zu bekommen.
Indem man etwas gräbt, kann man kann diesen Test auch leicht in verschiedenen Bodentiefen wiederholen.

Zur Interpretation: 2 bis 5 Sekunden gelten als gut. 5 bis 10 Sekunden sind akzeptabel. Mehr als 10 Sekunden deuten auf ein Infiltrationsproblem hin. Bei mehr als 30 Sekunden liegt ein ernstes Bodenverdichtungsproblem vor.
Selbst ausprobiert habe ich diesen Test noch nicht. Er scheint mir aber eine schnelle und einfache Ergänzung für die Methoden mit den Ringen, bzw. mit dem Rohrstück zu sein.
So ein Rohrstück habe ich mir übrigens von einem auf Edelstahlgeländer und Leitern spezialisierten Schlosser ( http://www.jackpielert.de ) anfertigen lassen: 15 cm langes, massives Edelstahlrohr mit 7,5 cm Innendurchmesser. Auf der Drehbank bei der halben Länge mit einer Markierung versehen, damit man es immer gleich tief einschlägt.



Antworten