Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

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Manfred
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Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 18.12.2018, 21:30

Dieses kurze Interview mit Dr. Rattan Lal hat Setz Itzkan neulich online gestellt.

Da die Tonqualität schlecht ist hat er ein Transkript erstellt.
Ich versuche unten, es zu übersetzen.

"330 Gigatons" Drawdown by 2100 - a "Win. Win. Win." Strategy.

In an exclusive interview with Soil4Climate, Dr. Rattan Lal, Director, Carbon Management and Sequestration Center, Ohio State University, says restoring degraded soils and vegetation can drawdown 330 gigatons (billion tons) of carbon - or the equivalent of 150 to 160 parts per million (ppm) of carbon dioxide - from the atmosphere in the next 80 years - to 2100. Describes soil restoration as a “Win. Win. Win.” strategy.
Dr. Lal was at the UN FAO Headquarters in Rome to participate in World Soil Day activities. Interview by Josie Watson, Soil4Climate International Policy Liaison. Transcript is below.
Transcript of Interview With Dr. Rattan Lal on Dec 5, 2018 at UN FAO Headquarters in Rome.

Question: "How much drawdown of carbon dioxide into soil is possible?"

Answer: Dr. Rattan Lal speaking…
“That's a very important and relevant question, especially on World Soil Day.
We have estimated along with many other colleague(s), the possibility is about 150 to 160 gigatons of carbon accumulated until 2100. So, we can drawdown in 2100 about 160 gigatons which is approximately 75, 80 parts-per-million (ppm) of CO2 (carbon dioxide) drawdown. Now, this includes all soils, including degraded soils, desertified soils, and so forth.

But, even if we take the recent estimates of how much carbon has been depleted from the soils of the world, and that means we can replace that much back, that’s about 135 gigaton(s). So, the estimate of the world soil sink capacity of carbon between now and 2100, the next eighty years, is somewhere between 130 and 150 gigaton(s) of carbon, which is a very sizable amount.

If you combine this with what can also be sequestered in the vegetation, that’s another 150, 160 gigaton(s). So the total put together, we have the possibility of putting carbon in the terrestrial biosphere, soil and vegetation, about 330 gigaton(s) of carbon, which is equal to about 150 to 160 parts per million of CO2 drawdown from the atmosphere.

This is a great opportunity.

Not only that it’s a natural process, it’s also cost effective and it has many co-benefits.

Therefore, it’s very important that we support the activity of the Global Soil Partnership (GSP) and other initiatives that started throughout the world including 4-per-1000, including triple A, (AAA) (Nespresso AAA Sustainable Quality™). And I think this is a thing that should encourage policy makers meeting right now in Poland to really discuss, support, and undertake. We should encourage the policy makers that this process of restoring degraded soils and ecosystems - desertified land - is a win, win, win option. It’s a bridge to the future. It buys us time until the no carbon and low carbon fuel sources take effect. At the same time, it is the best option to achieve the sustainable development goals of ending hunger, ending poverty, improving life on the terrestrial ecosystem, empowering women - women are the most important farming community in the developing countries. So, soil carbon sequestration, terrestrial carbon sequestration, is something we can not afford to miss. I will strongly support GSP (UN FAO Global Soil Partnership) to follow up with this.

The last year the congress that was held here at the FAO headquarters was a very successful event and I hope a similar event can be done in the future.”
END


Übersetzung:

330 Gigatonnen Kohlenstofffixierung bis 2100 – Eine Win-win-win-Strategie.

In diesem Exklusivinterview mit Soil4Climate erklärt Dr. Rattan Lal, Direktor des Zentrums für Kohlenstoffmanagement und Kohlenstofffixierung an der Ohio State Universität ( https://senr.osu.edu/our-people/rattan-lal ) , dass durch die Wiederherstellung degradierter Böden und Vegetation innerhalb der nächsten 80 Jahre (bis 2100) 330 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlenstoff – das entspricht 150 bis 160 ppm Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre – fixiert werden könnten.
(Anmerkung des Übersetzers: 2017 betrug der CO2-Gehalt der Amosphäre ca. 400 ppm.
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 75568.html )
Er bezeichnet die Wiederherstellung der Böden wegen des mehrfachen Nutzens als Win-win-win-Strategie.

Das Interview wurde am 5. Dezember 2018 von Josie Watson (Ansprechpartnerin für internationale Richtlinien bei Soil4Climate https://www.soil4climate.org/ ) anlässlich der Veranstaltung zum Welt-Boden Tag im UN FAO Hauptquartier (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) in Rom geführt.

Transkript:

Frage: „Wie viel CO2 kann im Boden fixiert werden?“

Antwort von Dr. Rattan Lal:

„Das ist eine sehr wichtige und relevante Frage, speziell am Welt-Boden-Tag.
Wir haben zusammen mit anderen Universitäten abgeschätzt, dass man bis zum Jahr 2100 insgesamt zwischen 150 und 160 Gigatonnen Kohlenstoff im Boden fixieren könnte.
Das entspricht einem CO2-Entzug von 75 bis 80 ppm aus der Atmosphäre.
Das umfasst alle Böden, inklusive degradierter Böden, in Wüsten verwandelte Böden, usw.

Selbst wenn wir jüngste Schätzungen heranziehen, wie viel Kohlenstoff in der Vergangenheit durch Bodendegradation freigesetzt wurde, und das bedeutet, dass wir auch so viel wieder in die Böden einlagern können, sind das 135 Gigatonnen.
Daraus ergibt sich bis 2100, also innerhalb der nächsten 80 Jahre, ein Wiedereinlagerungspotential irgendwo zwischen 130 und 150 Gigatonnen Kohlenstoff.
Das ist eine sehr beachtliche Menge.

Wenn man das mit dem kombiniert, was in der Vegetation gebunden werden kann, sind das weitere 150 bis 160 Gigatonnen.
Alles zusammen genommen, könnten wir in der Biosphäre, dem Bodens und den Pflanzen ca. 330 Gigatonnen Kohlenstoff fixieren. Das entspricht ca. 150 bis 160 ppm CO2-Gehalt der Atmosphäre.

Das ist eine großartige Chance.
Nicht nur, dass es sich um einen natürlichen Prozess handelt, es ist auch kosteneffektiv und hat viele zusätzliche Vorteile.
Deshalb ist es extrem wichtig, dass wir die Aktivitäten der Global Soil Partnership (GSP) http://www.fao.org/global-soil-partners ... ership/en/
und anderer Initiativen, die sich rund um die Erde gegründet haben, z.B.
4-per 1000 https://www.4p1000.org/ und
triple A (AAA) https://www.nespresso.com/de/de/theposi ... ustainable
unterstützen.
Und ich denke, dass ist ein Sachverhalt, den die Richtlinien-Macher, die sich gerade in Polen treffen (Anm.: Weltklimagipfel 2018) wirklich diskutieren, unterstützen und angehen sollten. Wir sollten die Richtlinien-Machen ermutigen, diesen Prozess der Wiederherstellung der degradierten Böden und Ökosysteme, der zu Wüsten gewordenen Landflächen, als Win-win-win-Option zu sehen. Es ist eine Brücke in die Zukunft. Es verschafft uns Zeit, bis die kohlenstofffreien und kohlenstoffarmen Energielösungen greifen.
Gleichzeitig ist es die beste Option, die Nachhaltigkeitsziele (Anm.: Der Vereinten Nationen) zu erreichen: Das Ende des Hunger, das Ende der Armut, die Verbesserung des Ökosystems, die Gleichberechtigung der Frauen (Frauen leisten den wichtigsten Beitrag zur Landwirtschaft in den Entwicklungsländern).
Deshalb ist die Fixierung von Kohlenstoff in den Böden eine Chance, die zu verpassen wir uns nicht leisten können. Ich werde die GSP (UN FAO Global Soil Partnership) bestmöglich unterstützen, dieses Ziel umzusetzen.
Die Veranstaltung hier im FAO Hauptquartier im letzten Jahr war sehr erfolgreich, und ich hoffe, dass uns in Zukunft eine weitere solche Veranstaltung gelingt. “



Manfred
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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 18.12.2018, 23:03

Hier ein aktueller Vortrag von Prof. Lal, bei der Nobel Conference am Gustavus Adolphus College:

Der eigentliche Vortrag beginnt bei ca. 5:40 min




Manfred
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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 19.12.2018, 14:44

Zwei Artikel von Prof. Lal mit weiteren Infos und diversen Quellenangaben:

https://academic.oup.com/bioscience/art ... 708/238009

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/ful ... 02/fes3.96



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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Fred » 19.12.2018, 20:20

Dr. Christine Jones, machte eine Eingabe an die Regierung von Victora, wo sie
einige Daten zur Konenstoffsequestrierung in den Böden zusammengestellt hat:

Inquiry into Soil Sequestration in Victoria
17 December 2009

https://www.soilandhealth.org/wp-conten ... Dec091.pdf

Auf Seite 22/23 sind in Studien ermittelte Raten zur CO2 Speicherung in Böden von 6.3...10,8...18.9 t CO2/ha/Jahr zusammengestellt.



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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Buchkammer » 27.12.2018, 12:02

Danke für die Übersetzung. :)


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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 30.05.2019, 22:59

Professor Justin Borevitz über das CO2-Speicherpotential der Böden in Australien:




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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 17.06.2019, 07:14

Aus einem Kommentar von Bruce Davsion auf Facebook (in einer Neuseeländischen Gruppe für Holistic Management).
Er war bei einem Vortrag einer Wissenschaftlerin, die behauptet, mit Dünger-Management mehr SOC-Steigerung zu erreichen als mit Weidemanagement. :lol:


"I went to this talk and have to say the rate of carbon increase they have achieved is nothing short of pathetic. The best result was 0.75t/ha/yr. One of my clients achieved that in 2.17 days. I was expecting better information than was delivered, so if you missed it, don't be disappointed. In our pasture cropping trials my plot gained 112.5t soc/ha/yr."


Quelle: https://www.facebook.com/groups/holisti ... p_activity



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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 24.06.2019, 18:26

Ein Artikel von Stefan Schwarzer zum Potential, Kohlenstoff in den Böden zu speichern:

Original auf Englisch:
https://wedocs.unep.org/bitstream/handl ... ght013.pdf


Deutsche Übersetzung:
www.lebensraum-permakultur.de/wp-conten ... oden-2.pdf



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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 24.06.2019, 23:18

Regenerative Agriculture Would Save 23.15 Gigatons of Carbon by 2050

https://theenergymix.com/2019/06/18/reg ... n-by-2050/



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Re: Dr. Rattan Lal: Wie viel CO2 könnten wir in Form von Humus binden?

Beitrag von Manfred » 22.08.2019, 18:21

"Can Soil Microbes Slow Climate Change?"

Ein Artikel über David Johnson (New Mexico State University)

https://www.scientificamerican.com/arti ... te-change/

"Johnson reported a net annual increase of almost 11 metric tons of soil carbon per hectare on his cropland. That’s equivalent to removing about 16 metric tons of carbon dioxide per acre from the atmosphere annually"

" the entire world’s carbon output from 2016 could be stored on just 22 percent of the globe’s arable land"

"He claims that glyphosate (sold in commercial products such as Roundup) will kill Aspergillus fungal species in soil. Aspergillus is often regarded as a marker of fungal presence and is important in carbon and nitrogen cycling."

"In one of his plots where he reports having increased net primary productivity five times, the soil accumulated 770 pounds of nitrogen per acre per year."



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