Rettet die Schäfer

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Manfred
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Rettet die Schäfer

Beitrag von Manfred » 04.04.2018, 20:12

Wanderschäfer Sven de Vries im Interview bei BlogAgrar

Sven ist Hauptinitiator der aktuellen Kampagne für eine bundesweite Weideprämie für Schafe.
Eine solche Prämie wäre schnell einzuführen und würde eine Art Nothilfe für viele in ihrer Existenz bedrohte Schäfer darstellen.
Um den Berufsstand dauerhaft zu erhalten, bräuchte es wohl grundlegende Reformen, die eine faire Entlohnung der Landschaftspflege- und Vertragsnaturschutzleistungen für alle Weidetierhalter (nicht nur die Schäfer) ermöglichen. Solche Reforen sind aber nur langfristig umsetzbar.

Das Interview:
https://blogagrar.de/politik/rettet-die-schaefer/

Die Online-Pedition:
https://www.change.org/p/rettet-die-let ... ereiretten



ikes
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Re: Rettet die Schäfer

Beitrag von ikes » 04.04.2018, 20:38

Interessantes Thema.

Allerdings bin ich der Auffassung, dass man entweder eine Nische für seine landwirtschaftliche Betätigung findet, um zu überleben, oder eben nicht überleben kann. Ich möchte dafür keine Subvention, sondern faire Bezahlung für mein Produkt.
Jede Subvention macht abhängig und steuert die Betätigung. Staatliche Steuerung durch Subventionen halte ich als Erwerbsmodell für ebenso sinnvoll, wie ein Beamtenverhältniss.
Ich halte es mit alten Bauern die raten, von jedem Vorschlag, der seitens des Staates kommt, das Gegenteil zu machen. Ich finde es nicht sinnvoll wegen Subventionen die irrwitzigen Ideen von Landwirtschaft der Subventionsgeber, möglichst noch der Grünen oder des NABU oder so umzusetzen. Ich wirtschafte aber nicht im finanziell gewinnbringenden Bereich und kann und will mir das leisten. Mittlerweile kenne ich einige Nebenerwerbler, die keinerlei Subventionen beziehen, um ihre Ruhe zu haben und sinnvoll ihre Ideen umzusetzen.

Das viele meinen, ihre gesellschaftlichen Leistungen in der Landschaftspflege würden zurecht vergütet, weiß ich. Allerdings ist das aus meiner Sicht Landschaftspflege und keine Landwirtschaft.



Manfred
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Re: Rettet die Schäfer

Beitrag von Manfred » 05.04.2018, 10:16

Über den Sinn und Unsinn von "Subventionen" lässt sich natürlich trefflich streiten.
Die Realität ist halt, dass wir in einem (im internationalen Vergleich) sehr klein strukturiertem Umfeld mit extrem hohen Auflagen und Kosten agieren und in einer Wettbewerbssituation in der fast alle Mitbewerber subventioniert werden.
Da ist es ein hehres Ziel ohne öffentliche Mittel auszukommen, aber für den Unternehmer wohl allenfalls durch eine extrem intensive Veredelung oder einen hochpreisigen Nischenmarkt zu erreichen.
Ich lasse mich aber gerne durch Praxisbeispiele eines Besseren belehren.

Was die Trennung zwischen Landwirtschaft und Landschaftspflege angeht: Landschaftspflege wird nun mal als landwirtschaftliche Dienstleistung verstanden, egal ob durch Maschinen oder Tiere. Und im Fall von Tieren ist sie von der tierischen Produktion nicht zu trennen.
Natürlich könnte man das irgendwie anders definieren, aber bringt das was?
Wenn eine Beweidung von Landschaftspflegeflächen gewünscht wird, dann muss sie halt angemessen bezahlt werden. Ansonsten wird es sie (evtl. bis auf ein paar Idealisten) bald nicht mehr geben. Eine Branche, die ihre eingesetzes Kapital nicht verzinst bekommt und ihre Arbeitszeit unter Mindestlohn ableisten muss, findet halt keine Nachfolger mehr. Die gehen dann bei aller Liebe zur Natur und den Schafen doch einer anderen Arbeit nach, die ihren Lebensunterhalt mit viel weniger Aufwand sichert.



ikes
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Re: Rettet die Schäfer

Beitrag von ikes » 06.04.2018, 10:50

Da sehe ich genauso wie du.

Ich halte unser Umfeld für vernunftgesteuerte (regenerative) Landwirtschaft oder auch nur Selbstversorgung für gar nicht mehr geeignet.
Daran ändern auch Subventionen, in welcher Form auch immer, nichts.
Das ist ein Erwerbsmodell, das ich nicht anstrebe.

Ich sehe die Nische eher in Selbstversorgung mit Selbstvermarktung. Und zwar nicht übers Internet, sondern lokal, persönlich. Kleinbäuerliche Strukturen eben. Die Horrorvorstellung unserer Entscheidungsträger. Ich gehe davon aus, dass in wenigen Jahren kleinbäuerliche Strukturen hier vollständig zerstört sein werden und selbst Hobbyisten wie ich, das ganze nicht mehr finanzieren können oder zu Tode kriminalisiert werden. Dann gibt es nur noch Großagrarier und “Naturschutz“Verbände, denen das Land gehört. Die setzen dann die Träume der Politiker durch und werden gut von den Subventionen leben.

Von kleinbäuerlicher Landwirtschaft kann man sicher maximal grenzwertig überleben und nicht leben. Oder eben was Sinnvolles nach Feierabend machen.

Ich will einfach nicht abhängig sein von “Ökoverbänden“, die sich die Flächen unter den Nagel reißen, um sie dann für einen Silberling ihren Vorstellungen nach “pflegen“ zu lassen. Oder von Prämien, die für “Wohlverhalten“ i.S. der Phantasien von verbeamteten Biologen und Amtsveterinärinnen abhängig sind. In Anbetracht der freien Pflegeflächen in Brandenburg und Vorpommern, die einfach kein Tierhalter mehr anfasst, sehen das wohl zunehmend einige genauso wie ich.

Das mit meiner Einstellung keine wirtschaftliche “Landwirtschaft“ zu betreiben ist, ist mir bewußt.
Die Folgen dieser Abhängigkeit allerdings auch: keine Weidetiere mehr, keine Insekten, keine Vögel, Landschaftsschutzgebiete aus denen Menschen, außer der diensthabende Biologe, ausgesperrt werden etc. in denen aber auch nichts Lebendiges mehr zu finden ist. “Aushagern, Brache, Benjeshecke“ Die Schmetterlinge reichen gerade noch, um jedem Grünen, der in einem unserer zahlreichen Parlamenten sitzt, einen zum Beschützen zuzuteilen.

Der Natur wird's egal sein. Die hat auch die Eiszeiten überstanden.

An dieser Situation wird auch eine Mutterschafprämie nichts ändern. Die schiebt nur das unvermeidliche Aussterben der Weidetierhaltung in Deutschland etwas weiter nach hinten.
Aus meiner Sicht ist Sven auf dem Holzweg. Im Grunde verlangt er ein bedingungsloses Grundeinkommen, um seiner Beschäftigung nachgehen zu können. Damit entzieht er letztlich sich selbst die Existenzgrundlage.
Ich halte das nicht für zielführend.



Manfred
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Re: Rettet die Schäfer

Beitrag von Manfred » 06.04.2018, 17:25

Ich wollte keine agrar- und eigentumspolitische Grundsatzdebatte anzetteln.

Ich möchte, dass sich dieses Forum darauf konzentriert, mit den Möglichkeiten, die wir in unseren Betrieben haben, ganz pragmatisch Verbesserungen im Sinne der Regenerativen Landwirtschaft zu erreichen.

Wer auf Wunder von oben wartet, durch eine geniale Gesetzgebung, die all unsere Probleme löst, der wartet vergebens.
Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir das selbst tun.
Der Rest dackelt dann schon irgendwann hinterher, in zwei oder drei Generationen, wenn sich das neue Wissen langsam gegen alte Dogmen durchsetzt.



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Re: Rettet die Schäfer

Beitrag von ikes » 06.04.2018, 20:27

Ich sehe meine Ausführungen da in keinem Widerspruch zu deinen.
Mir machen allerdings die alten Dogmen weniger Sorgen als die neuen.



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