Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

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aparine
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Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

Beitrag von aparine » 10.02.2019, 11:57

Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss.", 3. Auflage, Shaker Verlag, Aachen, 224 p., 30,80 €.

Wie der Name schon sagt, geht es um die Geschichte des Ackerbaues in Mitteleuropa. Es beginnt mit dem Ackerbau der Bandkeramiker und dessen nachfolgender Verbesserung. Gefolgt von der Landwirtschaft der Kelten, der Germanen und der römischen Landwirtschaft nördlich der Alpen. Danach folgen die Einführung der Dreifelderwirtschaft unter Karl dem Großen, die Landwirtschaft im Mittelalter, im Hochmittelalter, die Landerschließung im Osten und die Beschreibung der Landwirtschaft im späten Mittelalter. Der Hauptschwerpunkt ist dann die darauf folgende Neuzeit mit den Umwälzungen der letzten 250 Jahre. Die Entwicklung der Landwirtschaft in der BRD und der DDR werden separat abgehandelt, gefolgt von den Veränderungen der letzten 25 Jahre.

Die Beschreibung ist teilweise sehr detailliert. So zum Beispiel die einzelnen Veränderungen an den landwirtschaftlichen Geräten mit ihren Vor- und Nachteilen. Besonders interessant fand ich, dass man in der Geschichte Lösungen finden kann, die heute wieder neu entwickelt werden. Beispielsweise der "ewige Roggenbau" der Germanen und des Frühmittelalters oder bodenschonende Maßnahmen.



Fred
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Re: Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

Beitrag von Fred » 10.02.2019, 18:10

Klingt nach einem sehr interessanten Buch. Vorallem weil es bis zu den Bandkeramikern zurück reicht.
Wobei ich mich frage, wieviel weis man wirklich über die Arbeitsweisen von damals? Bereits bei den Kelten wird es ja sehr dünn mit informationen, und Archeologie kann ja auch nur darauf zurückgreifen, was sich im Boden erhält. Je nachhaltiger eine Gesellschaft wirtschaftet, desto weniger ist dies, wird das Ideal der volkommen geschlossenen Kreisläufe erreicht, dann ist dies: Nichts.
Was schreiben sie denn zu den Keltenschantzen, ist inzwischen mehr über deren Zweck bekannt?



aparine
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Re: Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

Beitrag von aparine » 13.02.2019, 20:40

Ich habe lange überlegt, welches Buch über die Geschichte der Landwirtschaft ich mir besorge. Es gibt da sehr schöne Sachen:

* Enzyklopädie deutscher Geschichte mit Schwerpunkt Landwirtschaft, leider ~100 Bände für 2200 €

* Sammlung Tusculum (darunter 37 Bücher Plinius: "Naturkunde", Columella: "12 Bücher über Landwirtschaft" ...) für 5,95 - 118 € je Buch (in Deutsch)

* Scientia Graeco-Arabica (Antike landwirtschaftliche Werke) (in Deutsch) viele Bände für 119,95 €/Band

Am ehesten passte noch "Geschichte der Deutschen Landwirtschaft" in mehreren Bänden, ein Reprint von 1923. Das war mir aber zu riskant, da zu wenige Angaben über die Bücher veröffentlicht wurden. Daher die Kurzfassung von einer 30 Stunden Vorlesung zur Geschichte der Landwirtschaft für Agronomen. Das Buch ist auch nicht ideal - im Kapitel über die sorbischen Völker gibt es keine Erwähnung der Terra-Preta Herstellung und Verwendung. Es reicht aber als Übersicht, auch um sich später zu einem Einzelthema genauer zu informieren.

Zu Dingen, z.B. der Kelten, die nicht direkt zur Landwirtschaft gehören, gibt es natürlich keine Infos.

Von den Bandkeramikern ist doch mehr hinterlassen wurden, als erwartet. Das sind Anlagen für astronomische Beobachtungen (Kalender für Saattermine), Brunnen, Siedlungen, Werkzeuge. Angebaut wurden Einkorn und Emmer in Mischkultur, vierzeilige Gerste, Rispenhirse, Saatweizen, Saaterbse, Linse, (Öl)Lein und Mohn. Die Bodenbearbeitung erfolgte mit hölzernen Grabstöcken, Hacken aus Stein, Haken aus Astgabeln und Hirschgeweihen für Furchen. Gedüngt wurde mit Mist. Pflugsohlen wurden bisher nicht gefunden. Geerntet wurde mit Steinsicheln und Holzsicheln mit Feuersteinklingen. Experimente zeigen eine Produktivität von 270 AKh/ha bei der Getreideernte. Es gibt dazu durchaus noch genauere Angaben zu den einzelnen Arbeitsgängen. An Tieren wurden Schaf, Ziege, Rind, Schwein und Hund gehalten. Fehlende Phosphorspuren im Fußboden weisen auf eine ganzjährige Haltung im Freien hin - es war auch rund 1 °C wärmer, als heute. Gefüttert wurde im Winter mit getrocknetem Laub von abgeschnittenen Zweigen. Heutzutage werden die Knochen natürlich auf DNA untersucht, daher weiß man, dass die Schweine aus dem Süden stammten und nicht mit den örtlichen Wildschweinen verwandt waren. Diese wurden dann nach und nach durch örtliche Exemplare ersetzt. u.s.w.



aparine
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Re: Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

Beitrag von aparine » 13.02.2019, 21:02

Noch eine Anmerkung zu den Kelten: Diese sind bekannt für eine katastrophale Erosion ihrer Felder, zumindest in England: Geneigte Hügelflanken, die gepflügt wurden. Die Oberschicht der Felder unterlag einer starken Auswaschung, die man nicht zu verhindern vermochte.



Fred
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Re: Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

Beitrag von Fred » 14.02.2019, 00:19

Ja, das sehe ich auch so, daß die Kelten ein Nachhaltigkeits-Problem hatten. Hier in Süddeutschland findet man (spektakuläre) Funde aus der Hallstadt-Zeit, aber kaum mehr aus späteren Siedlungsphasen. Römer besetzten hier ein Jahrhundert später ein verlassenes Gebiet mit undurchdringlichen "Ur-Wäldern" ... nun, alte Uwälder wäre gut bereisbare Hallen-Wälder gewesen. Ergo, die "Urwälder" waren dichtes Gestrüpp einer wiederverbuschten Landschaft, wie sich Natur in diesen Breitengrade wieder erholt, wie man an Sukzession hier auf aufgelassenen (Obst-) Wiesen sieht die nicht mehr gemäht werden.
Nun, die weit verbreiteten Kelten-Schanzen, so denke ich, daß diese 5% der Verteidigung und 95% dem Wolf-sicheren Nächtlichen Vieh-Unterstand gedient haben (HaHa siehe Permakultur Handbuch Abb. 9.24 S.270).



aparine
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Re: Schulze, Eberhard (2014): "Deutsche Agrargeschichte - 7500 Jahre Landwirtschaft in Deutschland - Ein kurzer Abriss."

Beitrag von aparine » 08.04.2019, 20:16

Siehe auch: "Siedelung und Agrarwesen der Westgermanen und Ostgermanen, der Kelten, Römer, Finnen und Slawen"
https://www.forgottenbooks.com/de/books ... n_10643186



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