Weide - Rinder - überständiges Gras

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schnulf
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Weide - Rinder - überständiges Gras

Beitrag von schnulf » 18.02.2019, 20:30

Hallo,

ich bin mehr oder minder neu hier. Aber habe schon viel gelesen und komme eigentlich aus dem Landtreff.

Ich will dieses Jahr in meiner kleinen Mutterkuhherde mal dieses System testen. Die Fläche ist in Parzellen eingeteilt, etc. Mein Problem ist jedoch überständiges Gras. Wenn die Rinder 3 Tage in einer Teilfläche fressen, sollten die ja dann nach 3 Tagen raus. Wenns optimal läuft steht kein Gras mehr dort. Wenns positiv schlecht läuft müssen die vielleicht schon nach 2 Tagen raus. Aber wenn es negativ schlecht läuft und noch Futter für 2 Tage auf der Teilfläche wäre, was macht man dann?

Fahrt ihr konsequent mit de Mulcher (ich mulche immer auf 8 cm oder höher) oder lässt man es weiter wachsen?

Ich bin halt unsicher. Geschrieben wir, dass die Rinder alles niedertrampeln, aber was wenn nicht?

Danke für eure Tipps.

Gruß Ulf



Manfred
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Re: Weide - Rinder - überständiges Gras

Beitrag von Manfred » 19.02.2019, 09:34

Hallo Ulf,

die 3 Tage sind nicht in Stein gemeißelt.
Es geht darum, die Tiere wieder von der Fläche zu nehmen, bevor sie anfangen, den Neuaustrieb zu verbeißen.
Das können bei optimalem Wachstum im Mai 3 Tage sein. Bei Sommertrockenheit auch deutlich mehr, z.B. 2 oder 3 Wochen.
Mit 3 Tagen ist man halt (fast) immer auf der sicheren Seite. Wenn man selbst den Austrieb und das Verhalten der Tiere beobachtet, gewinnt man da etwas mehr Freiraum.

Auf der anderen Seite ist es aber so, dass die Tiere stark selektieren. Wenn sie auf eine frische Fläche kommen, fressen sie zuerst das Beste, die Grasspitzen. Und dann nach und nach immer minderwertigeres Futter.
Der Pansen gleicht durch sein Volumen und die Aktivität der Mikroben sich wiederholende Futterqualitätsschwankungen über ca. 3 Tage aus.
Dauert dieser Zyklus länger, dann muss der Pansen die Mikrobenzusammensetzung an die sich ändernde Futterqualität anpassen und dadurch sinkt wärend der Anpassung die Futterverwertung. Die Futteraufnahme sinkt ebenfalls, weil das leckere Futter ja schon weggefressen ist. In Folge wird auch die tierische Leistung (Fleisch- und Milchertrag) reduziert.
Das ist der 2. Grund, der für eine häufigere Futterzuteilung spricht, also eher 2 bis 3 als 6 Tage.
Aber auch das sollte man nicht überbewerten, besonders bei kleinen Herden. Dem wirtschaftlichen Vorteil für eine etwas höhere Leistung steht ja die Mehrarbeit für häufigeres Zuteilen gegebenüber.
Bei einer Herden mit 1000 Tiere kann es sich rentieren, dass jemand den ganzen Tag deneben steht und alle 2 Stunden neu zuteilt. Bei 15 Tiere ist die Rechnugn eine komplett andere.
Das richtige wirtschaftliche Gleichgewicht zwischen Futter- und Fleischertrag je Fläche und dem dafür nötigen Arbeitszeiteinsatz kann nur jeder Betriebsleiter für sich selbst finden. Unter unsere Bedingungen, mit den hohen Arbeitskosten, ist maximaler Futterertrag wirtschaftlich oft nicht die beste Lösung.

Aber zurück zur eigentlichen Frage:
Du kannst den Austrieb beobachten und, wenn dieser noch nicht verbissen wird, die Tiere auch ein paar Tage länger auf der betreffenden Fläche lassen.
Oder du nimmst dir eine Rolle Litze und ein paar Steckpfähe und unterteilst die Koppel nochmal, wenn dir das Trampelergebnis nicht ausreichend ist.



Manfred
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Re: Weide - Rinder - überständiges Gras

Beitrag von Manfred » 19.02.2019, 09:35

Nachtrag:
Für den Anfang ist es oft gut, erstmal nur einige kleine Ecken der Weide abzuzäunen und in diesen die Kurzzeit-Beweidung zu testen.
Dann hat man einen guten Vergleich zwischen dem alten und dem neuen System und sieht, ob sich der Aufwand lohnt.



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