Agrarexporte

Manfred
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Agrarexporte

Beitrag von Manfred » 01.11.2019, 13:45

Abgetrennt aus dem Thema "Bauer Unser"
Fred hat geschrieben:
31.10.2019, 23:17
Jetzt wird mit den Agrarüberschüssen versucht, diese auf internationale Märkte zu drücken, womit dort die Landwirtschaft und damit Lebensgrundlage der Bevölkerung ebenso zerstört wird, was auch die Flucht gen Europa befeuert.

Warum sind Lebensmittelexporte böse, aber Autoexporte und Agrarimporte gut?



Fred
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Re: Film: Bauer Unser

Beitrag von Fred » 01.11.2019, 21:48

Habe ich das so gesagt? *Hmmmm* ... In dem Film wird darauf hingewiesen, daß die EU-Subventionierten Agrar-Überschüsse in Drittweltländer exportiert werden. Dort verdrängen sie mit ihren Preisen unterhalb der regionalen Erzeugerpreise die lokalen Klein und Subsistenz-Farmer. Womit diese um ihre Lebensgrundlage gebracht werden, und einen signifikanten Anteil an den Flüchtlinge stellen, die sich auf den Weg über das Mittelmeer macht.

Ob Auto Exporte nun gut oder böse sind, darüber will ich mir jetzt eigenltich keine Gedanken machen, um darüber zu urteilen.

Wobei die Agrarimprte an Soja, ohne das derzeit keine marktgerechte(! = mager und billig genug) Schweinefleischproduktion hier möglich ist, die werden im Film auch deutlich alls Irrsinn angeprangert.



Manfred
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Re: Agrarexporte

Beitrag von Manfred » 02.11.2019, 20:02

Das bezog sich nicht speziell auf dich.
Die Behauptung taucht ja immer wieder auf.
Und ich frage mich, von wem das gestreut wird und zu welchem Zweck.

Ich bezweifle stark, dass D nach Volumen oder Kalorien gerechnet überhaupt ein Netto-Agrarexporteur ist.
Finanziell evtl. weil wir uns durch den extremen Kostendruck auf die Veredelung spezialisieren mussten.
Und was z.B. von der Fleischwirtschaft exportier wird, ist zu einem guten Teil Ware, die in D nicht nachgefragt wird.
Hühnerfüße und -Karkassen, Schweinefüße, Pansen, will im Land der Hähnchenbrustfilet-, Schnitzel- und Steakfresser kaum jemand auf dem Teller haben.
Und in den Importländern können sich so viele eine eiweißhalte Fleischeinlage im Essen leisten, für die die heimischen Produkte viel zu teuer sind und die sonst evtl. an Mangelernährung leiden würden.

Und wenn die Billigexporte so böse sind, wieso schützen wir nicht unsere eigenen Bauern vor Billigimporten?
Etwa auch, weil uns billige Nahrungsmittel wichtiger sind?



Fred
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Re: Agrarexporte

Beitrag von Fred » 02.11.2019, 23:42

Letztlich kann ich da nichts dazu schreiben, denn man müsste dann den Irrsinn unseres Wirtschaftssystems darstellen, und damit will ich das Forum hier nicht belasten. Tut mir leid, daß ich das im Bericht, worüber der Film handelt hier eingebracht habe.



Manfred
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Re: Agrarexporte

Beitrag von Manfred » 03.11.2019, 07:02

Ich empfinde es nicht als Belastung, wenn hier das Für und Wider solcher Fragen diskutiert werden. Ganz im Gegenteil.
Dieses Thema hat nun mal diverse Facetten. Diese sollte man offen auf den Tisch legen, um sich eine Meinung bilden zu können.



Centauri
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Re: Agrarexporte

Beitrag von Centauri » 03.11.2019, 07:45

Moin moin,
naja Manfred ich sehe da schon einen signifikanten Unterschied.
Ich wüsste nicht das die afrikanischen Länder jetzt zu den großen Autobaunationen gehören.
Klar gibt es dort auch Autofabriken die aber wiederum deutschen und fernöstlichen Autobauern gehören.
Ich denke mal das die Gewinne auch abfließen.
Und falls dort mal die eine Bude schließen würde wird dies bestimmt nicht in Afrika entschieden.
Und wenn, dann verlieren ein paar Autobauer dort ihre Arbeit.
Wenn ich die Afrikaner aber mit billigen subventionierten Agrarexporten zuschütte hängen da Millionen von Bauern dran.
Ich kann mich noch daran erinnern als die Japaner auf den deutschen Auto- bzw. Elektronikmarkt drängten.
Und jetzt stellen wir uns mal vor die Afrikaner drängen mit subventionierten Autos auf unsere Märkte und schlachten unser aller heilige Kuh!



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Re: Agrarexporte

Beitrag von Viktualia » 03.11.2019, 08:43

Warum sind Lebensmittelexporte böse, aber Autoexporte und Agrarimporte gut?
Weil es in der "dritten Welt" mehr Nahrungsanbauer als Autobauer gibt.
Noch.

Weil in den "zivilisierten" Ländern das >Bauer sein< früher "industrialisiert" wurde

(wodurch auch "genug" (Reste) zum exportieren da sind)
und den "Erwachsenen" hier jetzt erst aufgeht, dass eine einzige kleine Erde nicht reicht,
um den hier im Westen stattfindenden Wahn überall zu praktizieren -
man die Verantwortung aber traditionell nicht so gerne selber übernimmt, solange noch wer anders dafür rangenommen werden kann.

Für mein Gefühl ärgert "man" sich eher drüber, dass da (in der sog. "3.Welt") nicht genug Kunden sind, um Autos zu kaufen
(bzw. inzwischen "Auto kaufen" nicht mehr ganz so "zukunftsgerecht" ist....),
will aber immer noch die Zusammenhänge (der Abhängigkeiten) verschleieren.

Es sind halt nicht alle Diktatoren weitsichtig genug gewesen, ihre "Reste" so zu verteilen, dass ordentlich konsumiert werden kann,
dieses "hinterherhinken", dieser "archaische Bioanbau", der daraus resultiert,
darf/soll nur als Anachronismus, nicht als Vorläufer einer möglichen Lösung wahr genommen werden.

In meinen Augen; die ich schon als 10 jährige wusste (ahnte...), dass "meine" Schokolade dafür sorgen wird, dass "die Mohren" irgendwann mal hierher kommen müssen, wenn sie auch Schokolade haben möchten. Wie soll es sonst gehen? Von Nix kommt Nix.



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Re: Agrarexporte

Beitrag von Manfred » 03.11.2019, 08:54

Hm. Wir verlieren in die EU jeden Tag ca. 1000 Bauern, die u.a. wegen der Billigimporte aufgeben müssen.
Sind das keine Menschen?

Was hindert die Regierungen bei uns wie in den Ländern, deren Landwirtschaft wir angeblich zerstören, daran, einen Außenschutz zu errichten?
Evtl. weil man dort die Subsistenzwirtschaft auch als überholtes Modell abgeschrieben hat und lieber auf billige Lebensmittel für die Wähler in den Städten setzt? Während man gleichzeitig große Agrarkonzerne ins Land holt und denen die Fläche der verdrängten Kleinbauern zuschanzt? In der Hoffnung auf Exporteinnahmen?



Centauri
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Re: Agrarexporte

Beitrag von Centauri » 03.11.2019, 10:30

Naja habe aber jetzt noch nicht mitbekommen das Großbauern oder Agrarkonzerne das Handtuch geschmissen hätten.
Es sind eben nur die Kleinbauern die bei uns politisch an die Wand gespielt werden.
Wahrscheinlich haben aber die 1000 Kleinbauern genau so viel Land wie bei uns ein Großer.
Auch die Großkonzerne die massiv in die afrikanische Landwirtschaft investieren sind fein raus. Der Krempel wird eben auch exportiert.
Sofern es nicht Kakao oder Kaffee ist füttern wir unser Vieh damit welches wieder teilweise zurück Exportiert wird.
So schließt sich der Kreis.



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Re: Agrarexporte

Beitrag von Viktualia » 03.11.2019, 11:13

Manfred, dir dürfte klar sein, das derartige Fragen zu philosophisch-psychologischen Überlegungen führen -
Sind das keine Menschen?
Es sind vor allem "Konsumenten" und nicht zuletzt Sündenböcke, die Bauern hier.
Die definieren sich ja (noch) nicht selber (flächendeckend), die werden von "Wesen" definiert, die sich selber damit schwertun, das eigene "Mensch-Sein" zu erfassen, lieber "Machthaber" als Verantwortliche sind. Die haben (noch) keine Antworten auf Fragen der Menschlichkeit.
Vielleicht im privaten Rahmen, aber im Gesamten dauert das wohl noch.

Und zur Frage, warum es keinen differenzierten Aussenschutz gibt: Angst.
Ich meine gar nicht mal die offensichtlichen Ängste davor, wirtschaftlich abgehängt zu werden, ich meine das traditionelle Gedöns, das ein Zusammenarbeiten erschwert. Mangels Praxis.
So was müsste ja, wie im richtigen Leben, ganz anders nachgeregelt werden können, so wie im HM, nach Gegebenheiten, nicht nach Legislaturperioden.
Unsere Machthaber sind ja auch "Menschen", dumme Konsumenten, keine "Souveräne", erlauchte Wesen mit Durchblick und Liebe zu ihren Geschöpfen. Die sind, wie wir, gehorchen gewohnt, nicht Kreativität und Schöpfergeist auf "Internationaler Ebene".
Wo soll es her kommen?

Und: zufriedene Menschen sind von Natur aus Eigenständiger, auch was, was traditionell von Machthabern eher mit Argwohn betrachtet wird.
Last but not least - die "Zeitenwende", es ist zuviel Neues da und zuwenig Orientierung, da hapert es zuerst bei der Informationsverarbeitung;
es geht um kurzfristige Sicherheit und nicht um das, was möglich wäre, rsp. nötig ist.

(O.T.: hab ich da grad den Bauernstand, als "Landschaftspfleger mit Liebe zu ihren Geschöpfen" zu Vorreitern einer (absolut notwendigen) neuen "Herrschaftskultur" erklärt? Ich glaube, ja.
"Agrarexport" der etwas anderen Art - Zivilisation 2.0.
Regeneration für alle!)



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