wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

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alpenblümchen
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wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von alpenblümchen » 29.10.2019, 23:00

wissenschaftler widersprechen einer humusanreicherung beim verzicht auf den pflug. eigentlich müsste das wort pfluglos durch intensive bodenbearbeitug ersetzt werden. häufiges und tiefes grubbern könnte schädlicher sein als pflügen.

https://www.agrarheute.com/management/b ... hts-559984



Manfred
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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von Manfred » 30.10.2019, 07:02

Ich wüsste nicht, was dieser Versuch mit regenerativer Landwirtschaft zu tun haben soll.
Wir wissen seit geraumer Zeit, dass der Humusaufbau im Wesentlichen durch den Liquid-Carbon-Pathway funktioniert.
Dafür braucht man mögl. das ganze Jahr lebende Wurzeln im Boden, mit aktiv Photosynthese betreibende Pflanzen oben drauf.
Und das mögl. in einer Mischung mehrerer Arten, die sich in der Versorgung des Bodenlebens mit den benötigten Exsudaten ergänzen.
Die Bodenoberfläche sollte durchgehend bedeckt sein mit lebenden Pflanzen und bzw. behelfsweise Mulchmaterial.
Sobald der Liquid-Carbon-Pathway unterbrochen wird, leidet das Bodenleben und es wird mehr organische Masse veratmet als aufgebaut.
Das Ziel schneller Humusaufbau lässt sich also mit keiner Art von Bodenbearbeitung gut vereinbaren. Es ist doch völlig egal, ob man den Schaden durch Pflug oder Grubber anrichtet.
Manchmal lässt sich eine mechanische Bodenbearbeitung nicht vermeiden. In der Praxis sind immer Kompromisse zwischen mehreren Anforderungen nötig. Dann kommt es darauf an, Bodenbedeckung und Exsudaterzeugung so schnell wie möglich wieder herzustellen.

Wir reden deshalb ja auch von No-Till, also dem völligen Verzicht auf Bodenbearbeitung.
Das geht so weit, dass die Schare der Direktsaatmaschinen so optimiert werden, dass sie die Bodenbedeckung nur minimal verletzen und sie nach dem Schar wieder mögl. komplett schließen, auch um das Auflaufen von Unkraut zu verhindern.



alpenblümchen
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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von alpenblümchen » 31.10.2019, 22:50

im video nach 14,39 minuten finden sich gegensätzliche meinungen zur menge von CO2 die durch die methoden der regenerativen landwirtschaft im boden angereichert werden kann. nach einem wissenschaftler ist nach ca 20 jahren das maximum erreicht. von da an wird jährlich eine gewisse menge CO2 im boden gebunden sowie auch ausgegast. im 3sat war das video nicht verfügbar. da hatte es schriftdeutsche untertitel.

https://www.srf.ch/play/tv/sendung/eco? ... 9536cea736



Manfred
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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von Manfred » 01.11.2019, 09:47

Natürlich stellt sich irgendwann ein Gleichgewicht an.
Aber es ist halt ein erheblicher Unterschied, bezüglich der Wasserspeicherfähigkeit, des Nährstoffbuffervermögens und des gebunden CO2, ob ich bei 1% Humus oder bei 10% Humus arbeite.
Wo dieses Gleichgewicht unter welchen Bedingungen erreicht wird, wissen wir bisher nicht.
Wenn man sich die Schwarzerdeböden anschaut ist klar, dass zumindest unter bestimmten Bedingungen hohe Humusgehalte bis in mehrere Meter Tiefe erreichbar sind.

Gabe Brown hat im Oberboden seiner Flächen den Humusgehalt innerhalb von 20 Jahren von 1,9% auf 6,1% angehoben und das Wasserinfiltrationsvermögen von 0,5 inch/h auf 8 inch/h erhöht.
Wenn dann irgendein "Wissenschaftler" behauptet, schneller Humusaufbau oder die Verbesserung des Wasseraufnahme- und Speichervermögens sei nicht möglich, dann hat er den Beruf verfehlt oder verfolgt irgendwelche Lobbyinteressen weit jenseits von wissenschaftlicher Arbeit.
Die Herausforderung für die Wissenschaft ist, zu verstehen, was die erfolgreichen Praktiker tun und welche Mechanismen dort wirken.
Es mag akademisch interessant sein, oder zumindest Forschungsmittel einbringen, die Wirkung von Pflug und Grubber zu vergleichen. Aber mit dem, was im Bereich regernative agriculture passiert, hat das halt null zu tun.
Für uns Praktiker ist es schwer verständlich, wieso für solche Versuche heute noch Geld verschwendet wird, dass für praxisrelevante Forschungsprojekte hinten und vorne fehlt.



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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von Nakati » 01.11.2019, 14:11

Manfred hat geschrieben:
01.11.2019, 09:47
...
Für uns Praktiker ist es schwer verständlich, wieso für solche Versuche heute noch Geld verschwendet wird, dass für praxisrelevante Forschungsprojekte hinten und vorne fehlt.
Ohne es zu verteidigen: Druck zu publizieren, Forschung muss innerhalb von kurzer Zeit abgeschlossen sein, das Budget muss von Anfang an geplant sein, in anderen Worten man sollte die Antwort schon haben bevor man es versucht.



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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von Fred » 01.11.2019, 18:09

Alle Wissenschaftler die mit dem herkömlichen Modell des Humusaufbaus argumentieren werden die Regenerative Landwirtschaft nicht verstehen können.

Das was Christine Jones den liquid carbon pathway bennat hat ist ein sog. Game Changer - eine Technik/Effekt, mit dem Dinge gehen, die vorher nicht gegangen sind.

Hört man Gabe Brown genauer zu, so fällt einem auf, daß zu Beginn, das Thema war : "getting no till to work". Nur das Pflügen weglassen, sonnst alles wie bisher, das funktioniert nicht. Deshalb haben in USA diejenige, die nur mal bissele probiert haben, pfluglos schnell wieder fallen gelassen. Nur diejenige die so konsequent darauf gesetzt haben, daß sie dann gezwungen waren, das System zum funktionieren zu bekommen, haben dann genug probiert, experimentiert und optimiert, bis inzwischen genug erforderliche Randparameter bekannt sind, daß Pfluglos funktioniert.
Schaut man auf die Humus-Entwicklung-Folie von Gabe Brown, so sieht man, daß die ersten 10 Jahre wo er noch nicht genug Zwischenfrüchte eingesetzt hatte, da waren seine Aufbauraten auch nur zögerlich.



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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von Fred » 01.11.2019, 18:13

Nakati hat geschrieben:
01.11.2019, 14:11
..., das Budget muss von Anfang an geplant sein, in anderen Worten man sollte die Antwort schon haben bevor man es versucht.
Vorallem sollte man eine Antwort haben, wo klar ist, daß sie auch dem jenigen gefällt, der das Buget bereit stellt.... :?
Und die wirtschafts Lobbyisten, wussten schon, weshalb es bei der Hochschulreform so wichtig war, Drittmittel praktisch unabdingbar zu machen.

Anm: Christian Kreiß: "Gekaufte Forschung", Europa Verlag ISBN 978-3-944305-72-1



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Re: wissenschaftler widersprechen argumenten der regenerativen landwirtschaft

Beitrag von Nakati » 04.11.2019, 12:16

Fred hat geschrieben:
01.11.2019, 18:13
...
Vorallem sollte man eine Antwort haben, wo klar ist, daß sie auch dem jenigen gefällt, der das Buget bereit stellt.... :?
...
Selbstverständlich, sonst wird es gar nicht erst publiziert... Oh, und wer finanziert die meisten Studien?



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