Rindermist kompostieren

Gewinnung, Vermehrung, Anwendung
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limes
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Rindermist kompostieren

Beitrag von limes » 21.05.2019, 15:45

Hallo Forenmitglieder,

ich bräuchte Rat zum Kompostieren von schweren Rindertretmist. Ausgangslage reiner Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung mit Zukauf von (teurem) Stroh. Mist/Kompost wird ausschließlich auf Dauergrünland ausgebracht. Vorhanden sind auf den Betrieb ein 4-Walzen Miststreuer, ein Radlader und Dunglager. Das Stroh wird kurz geschnitten aber nicht gehäckselt und seit kurzem wird dem Mist Steinmehl beigemischt.

Jetzt zur meine Frage:
Welches Verfahren zur Kompostierung. Witte oder nach Lübke/Hildebrand?
Kann man Hackschnitzel oder ähnliches Material beimischen, um das C:N Verhältnis aufzubessern?
Ist EM notwendig bzw. hilfreich?

Für Witte würde erstmal weniger Aufwand und Lagerplatz sprechen, aber es gibt wenig Erfahrungen und Prozess soll schwerer händelbar sein. Zudem wird von anaerob Kompostierung gesprochen.

Für die "Lübke" Kompostierung spricht aerobe und steuerbare Kompostierung, Nachteil wäre Kompostwender kaufen und mehr Platz notwendig.

Hat vielleicht jemand Erfahrungen und Tipps mit ähnlicher Ausgangslage. Mir geht es um weniger Futterverschmutzung und vor allem um die Bakterienlast zu senken.
Danke.

Gruß limes

Falls im falschen Unterforum, bitte verschieben.



Fred
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Re: Rindermist kompostieren

Beitrag von Fred » 22.05.2019, 03:48

Witte / Lübke Verfahren sagt mir nichts, da ich nicht in diesem Bereich arbeite.
Nach Elaine Ingham ist ein aerobes Verfahren weit vorzuziehen, was in Großbetriebmaßstab dann Kompostwender heisst.
Die aeroben Mikroben leben auch im Wurzelraum unserer Kulturpflanzen, wärend von den aneroben viele in der Rhizosphäre pathogen wirken (Hier kann EM/Rottelenker mildernd eingreifen), aber eine aerobe Rotte ist vorzuziehen, da Wurzeln ja aucheine aerobe Umgebung brauchen.
Das C-N Verhältniss sollte auf alle Fälle ausgeglichen werden, Stroh und Sägemehl sind da sehr hilfreich. Kompostiert man aus sicht des Kompost-Verwenders im Garten, so ist man jedoch bestrebt noch eine größere Diversität (versch. Pflanzliches Material) anzustreben, so daß Mist/Sägemehl/Stroh auch mit anderem Material ausgeglichen wird. In deiner Situation wird man wahrscheinlich etwas andere Strategien/Verfahren vorziehen, als das womit ich in meinem Kleinmaßsstab vertraut bin.



WoPe
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Re: Rindermist kompostieren

Beitrag von WoPe » 18.09.2019, 20:23

Hallo Limes,
das C:N Verhältnis im Rinder-Strohmist ist wohl eher etwas kohlenstofflastig, daher ist eine Beimengung von Holz m. E. nicht notwendig.
Wenn Du auf Grünland ausbringen willst, dann kommt es Dir wahrscheinlich nicht so sehr auf Humusaufbau an, sondern auf Bodenleben und Düngung,
Daher würde ich das Verfahren nach Witte vorziehen, weil bei Hildebrand häufiges Wenden vorgesehen ist, und bei jedem Wendevorgang der Stickstoffanteil der gerade in gasförmigem Zustand (z.B. Ammoniak) vorliegt, entweicht, und derStickstoffgehalt so noch weiter abnimmt.
Andererseits hättest Du gerne die Mistplatten gründlich zerlegt um bei der Ausbringung eine kleinstruckturierte und gleichmäßige Ausbreitung zu erreichen. Ich würde daher den Mistbreiter mit Brettern links und recht versehen (wie chrigel im folgenden link) und beim Ausmisten so eine lockere Miete anlegen, und die dann in Ruhe lassen. Wenn Du die Miete nicht zu hoch machst und genug Struktur (also Strohalme) im Mist hast, bleibt er lange locker und belüftet, so dass nur wenig anaerobe Fäulniß entsteht.

Einmaliges Wenden mit einem Kompostwender wäre dann m. E. allenfalls nach Abschluß der Heißrotte (also nach ca. 6 Wochen) sinnvoll (entgegen Witte), um vor der Aufbauphase nochmals Luft in den Kompost zu bekommen. Kompostwender werden z.T. vom Maschinenring überbetrieblich angeboten, ein Kauf lohnt sich da wohl nicht.
Viele Grüße
Wolfgang



schnulf
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Re: Rindermist kompostieren

Beitrag von schnulf » 22.09.2019, 13:14

Hallo,

ich habe eine ähnliche Ausgangslage aber wahrscheinlich ne Ecke kleiner.

Ich Kompostiere unseren Rindermist auf dem Acker. Dazu wird der einfach locker aufgeschüttet und am besten etwas Mutterboden mit beigemischt. In der Regel versuche ich diese Haufen dann auch zu begrünen.

Der Haufen wir bei mir auf ca. 2 Meter Höhe geschüttet und setzt sich recht schnell auf ca. 1, 5m. Sehr schnell wandern dann eigentlich Würmer ein (außgenommen 2018 und 2019, da es einfach viel zu trocken ist).

Nach ca. einem Jahr hast Du dann guten Kompost-Mist fürs Grünland.

Ich will das System auch noch optimieren und demnächst das Aufsetzen de Miete mit Miststreuer probieren. Allerdings habe ich horizontale Walzen.
Für die Zukunft will ich auch mal Pflanzkohle ausprobieren vielleicht kann ich damit in Richtung Terra-Preta gehen, jedoch bin ich noch unsicher, was ich dann auf Grünland damit mache.

Gruß erstmal Ulf



limes
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Re: Rindermist kompostieren

Beitrag von limes » 01.10.2019, 08:02

Danke Euch drei.
Ich möchte es zukünftig auch Mieten mit dem Miststreuer aufsetzen, ähnlich Chrigel79 aus YT. Hab diesbezüglich auch schon Sepp Hägler befragt.
Werde mir auch einen Bretterverschlag für den Miststreuer (4 Walzen) bauen. Sobald erste Erfahrungen selbst gemacht habe, werde ich Euch berichten.



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