Weideequipment

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limes
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Weideequipment

Beitrag von limes » 11.09.2019, 11:06

Hallo zusammen,

ich möchte immer mehr Richtung "rotational Grazing" bzw. "holistisches Beweidung" gehen. Jedoch bin ich mit meinen alten Equipment (Holzpfähle und Band / Draht, Weidefass) nicht so effizient (arbeitstechnisch). Da Zeit immer knapp ist, suche ich neue Lösungsansätze. Zudem möchte nicht jeden Tag das Weidefass verziehen.
Welche Lösungen habt ihr im Einsatz? Um Tipps wäre ich sehr dankbar.
Angedacht sind Kunststoffpfähle und Litze+ Breitband anzuschaffen und eine kleine tragbare Weidetränke mit GK- oder Gardena-Anschluss für die hofnahen Weiden.
Welche könnt ihr Empfehlen (Kosten, Haltbarkeit, etc…)?
Möchte nicht unbedingt 2mal kaufen ;-).
Ich meine Gred Judy hat mal eine Litze in einem Video empfohlen. Was aber nicht mehr welche…
Danke vorab.

Viele Grüße, Limes



Manfred
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Re: Weideequipment

Beitrag von Manfred » 11.09.2019, 11:12

Welche Zahl von welchen Tieren möchtest du denn einsetzen?
Und sind Außenzäune vorhanden, sprich brauchst du nur mobile innere Abtrennzäune, oder sollen es komplett mobile Zäune sein?
Gibt es größere Straßen oder Bahnlinien in der Nähe?
Sind Bullen in der Herde?
(Da gibt es einiges an Vorschriften / behördlichen Empfehlungen in D.)



limes
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Re: Weideequipment

Beitrag von limes » 11.09.2019, 14:20

Hallo Manfred,

es ist eine ähnliche Ausgangslage wie bei Dir, Mutterkuhaltung. Gruppen bis ca. 20 Tiere.
Vorangig um die innere mobile Einzäunung, außen machen wir bisher auf den Mähweiden mobile Zaun (Holzpfähle) mit bestromten Draht und Band (20mm). Bei guter Ertragslage machen wir bisher Proportionsweide mit selbstgemacheten Winkelstahlpfähle. Dabei haben wir leider des öfteren das Problem, dass die Isolierfähigkeit der Isolatoren versagt haben und demzufolge Strom einen kurzen hatte. Ist immer schwer zu detektieren! Darum die Frage nach haltbaren Kunstoffpfähle. Wir hatten schon mal 10 Stück Kunststoff, gingen leider nach kurzer Zeit wegen UV Strahlung kaputt.
Bisher habe ich auch keine Erfahrung mit Litze, bisher nur Band oder Draht. Draht oft sperrig, Band brechen oft die Leiter nach Jahren.
Um auch ein wenig auf die Nachhaltigkeit zu sehen, möchte ich schon eine langjährige Lösung.

Straße sind "nur" Verbindungstraße und eine Kreisstraße. Autobahn oder Bahnlinie sind über 5 km entfernt.

Grüße limes



Manfred
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Re: Weideequipment

Beitrag von Manfred » 11.09.2019, 22:26

Ich handle ja im Haupterwerb mit E-Zaun-Material.
Die einfachen, billigen Plastik-Steckpfähle taugen allesamt nicht viel. Werden nach wenigen Jahren spröde (besonders schnell, wenn sie im Winter draußen sind) und brechen. Bei hartem Boden brechen sie auch gerne durch Überlastung beim Eintreten.

Für meine mobilen Innenzäune verwende ich aktuell Pigtail-Pfähle von Patura ("Federstahlpfahl mit Ösenisolator" 164220).
Die aktuelle Ausführung ist qualitativ OK. Die angespitzten Doppelspitzen lassen sich auch in meinen sommerharten Lehm gut eintreten. Die Qualität des Kunststoffs überzeugt mich nicht zu 100%. Da sind schon einzelne spröde und der Kunststoff kriegt Risse, meist aber an unkritischen Stellen. Evtl. war die Verarbeitungstemperatur nicht konstant.
Der Nachteil ist, dass man bei der Höhe unflexibel ist, außer man bringt Zusatzisolatoren an. Ich verwende nur eine Litze. Kleinere Kälber schlüpfen manchmal durch. Dann stelle ich die Pfähle auch mal etwas schräg, damit die Litze tiefer hängt.
Die Pigtails von Gallagher sehen gut aus. Habe sie aber selbst noch nicht getestet.

Wenn du Kunststoffpfähle möchtest: Die Besten, die es gibt, sind die O'Briens Treadaline Step-In Posts aus Neuseeland.
Die DrehFix-Kunststoffpfähle von Patura (163410) sind m.E. keine original O'Briens, aber ein sehr guter Nachbau.
Wüsste nicht, wo man das Original in Europa bekommen kann.
Ich werde auf die DrehFix umstellen, wenn meine Pigtails nach und nach sterben.

Litze:
Seit ich zum ersten Mal eine geflochtene Litze in der Hand hatte, kaufe ich nur noch die.
Teuer, aber viel besser verarbeitet als die verdrillten Litzen.
Für längere Zäune die Tornado XXL (181500, 181600, 181700), für kurze die Compact Plus (180300).

Breitbänder mag ich nicht. Viel zu wind- und störanfällig.
In reinen Rinderzäunen machen die gar keinen Sinn. In Pferdzäunen sind die 6 mm Seile besser.

Haspeln:
Finger weg von den rot-schwarzen China-Plastikhaspeln. Die gehen noch schneller kaputt als die billigen Steckpfähle.
Die hochwertigen Haspelserien von Patura und Gallagher kann man mit gutem Gewissen verkaufen.
Die einfachen Mittelklasse-Haspeln "Haspel mit Brusttragegestell", "Breitbandhaspel" tun es als Notlösung auch.
Die stabilsten Haspeltrommeln, die ich kenne, hat Rappa. Da sind die Metallgestelle aber nur galvanisch verzinkt und für Wechselhaspeln braucht man Werkzeug.
Rappa ist besonders interessant, was die Ausstattung von Quads mit Haspelsystemen angeht. Da sind die sehr gut aufgestellt und die restlichen Anbieter in Europa bisher völlig blank.



limes
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Re: Weideequipment

Beitrag von limes » 12.09.2019, 10:44

Vielen Dank für deine Einschätzung bzw. deinen Erfahrungsbericht, Manfred.
Es gibt eine Vielzahl von Anbietern und ich habe keine Erfahrung, da wir noch viel klassisch mit Holz und Metall arbeiten.
Einzig mit Bänder haben wir Erfahrung und da gibt es gravierende Unterschiede. Billig kauft man 2mal.
Ich lass mir das ganze mit den Pfählen durch den Kopf gehen und komme auf dich zu. In Litze werde ich sicherlich investieren.

Hast du auch Erfahrung von mobiler Tränke (100l +/-) mit Schlauchversorgung zum täglichen verrücken? Wie realisiert du die Wasserversorgung bei HG Beweidung?
Danke.



Manfred
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Re: Weideequipment

Beitrag von Manfred » 12.09.2019, 12:09

Du könntest ja erstmal deine Winkelstahlpfähle weiter verwenden und dafür in neue/bessere Isolatoren investieren.
Und wenn die Pfähle mit den Isolatoren dran mit dem Hammer in harten Boden geschlagen werden, reicht das manchmal schon, dass die Splintisolatoren mit der Zeit Risse bekommen oder sogar ganz abbrechen.
Wenn die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, ist es evtl. einfacher, alle zu tauschen, statt ständig kaputte zu suchen.
Wenn du noch keinen Zaunkompass (Messgerät mit Stromrichtungsanzeige) hast, solltest du die Anschaffung evtl. überlegen.
Das erleichtert die Fehlersuche erheblich. Das Ding hat mir schon viele Stunden gespart.

Ich habe das Glück, dass ich einen Bach in der Weide habe (auch wenn der die letzten 2 Sommer ausgetrocknet ist und ich trotzdem Wasser fahren musste...)
Ich halte jeweils eine Gasse zum Bach frei.
Inzwischen verzichten viele Strip-Grazer auf einen Backfence (hinterer Zaun) oder ziehen diesen nur alle paar Tage nach.
Durch die regelmäßige Zuteilung von frischem Futter halten sich die Tiere hauptsächlich auf dem frisch zugeteilten Streifen auf, was das Abfressen des Neuaustriebs weiter hinten gegen Null reduziert.
3 bis 6 Tage hat man ja nach Witterung eh meist Zeit. Bei Sommertrockenheit oder Winterkälte auch mal mehrere Wochen, bis er Austrieb wieder weit genug ist. Bis dahin kann man sich den hinteren Zaun eh sparen und so die Tiere auch ein Stück weiter zurück zum Wasser laufen lassen.
Das mit den ständig versetzten Tränken kenne ich eigentlich nur von größeren Herden, die durch ihren Futterbedarf jeden Tag deutlich Strecke machen.
Für diese neuseeländischen Schlauch-Kleintränken mit Erdspieß dran kenne ich hier keinen Anbieter. Und in mein und deine schweren Böden würden wir den Spieß auch nicht reinkriegen im Sommer, zumindest nicht ohne Vorbohren.
D.h. es bleiben im Prinzip zwei Möglichkeiten:
Eine Trogtränke mit Schwimmerventil, die gefüllt von selbst schwer genug ist, dass die Rinder sie nicht umwerfen, die man aber fürs Umstellen jedes Mal entleeren muss, oder eine kleine Tränke mit ausreichend Ballast dran. Umsetzen dann am besten mit dem Frontlader oder eine Kette dran zum Ziehen.
Bei 20 Tiere sind als kleine Tränken die Kunststoff-Doppeltränken von Suevia (WT80, bei Patura 1600102 (Hochdruck) bzw. 1600106 (Niederdruck) oder La Buvette Prebac 70 (350700 bzw. 350710) eine gute Wahl.
Wenn kleine Weidetröge (200 Liter) verwendet werden, ist es kein Schaden, eine Litze drüber zu spannen, oder sie teilweise unter den Zaun zu stellen, damit sie nicht umgeworfen werden.



limes
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Re: Weideequipment

Beitrag von limes » 12.09.2019, 16:06

Danke für die ausführliche Beschreibung.
Ja Winkelstahlpfähle werde ich weiterhin nutzen. Diese gehen gut mit dem Fuss eintreten, auch in trocken Jahren wie 2018. Brauchen so gut wie keinen Hammer. Die Kunststoffpfähle hätte ich als Nachzaun (Backfence) genutzt.
Zaunkompass habe ich noch nicht, danke für den Tipp!
Wir haben auch einen Bach, aber dieser führt dieses und letztes Jahr so gut wie kein Wasser, dieser beginnt auch erst 500 m entfernt aus Oberflächenwasser und Drainagen. Wasserquali ist nicht besonders und Zufluss sehr unregelmässig.
Dachte eine leichte Version zum Hand versetzen. Problem wird Verschmutz bzw. Beschädigung durch Langeweile sein.
Gerade habe ich nur eine Zinkwanne mit Schlauch drin.
Zur Not wird es ne Eigenbaulösung ;-) (Baukübel mit Schwimmer oder so).



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Re: Weideequipment

Beitrag von schnulf » 27.09.2019, 08:01

Hallo,

ich habe dieses Jahr auch erstmals der holistischen Beweidung zugewendet allerdings bei vorerst nur 5 Rindern.

Kern meiner Weiderfläche ist eine Wasserstelle, Brunnen. Dort steht mein Wasserwagen, dort ist mein Weidezaungerät, dort befindet sich die Solarzelle. Diese Basis ist eher zentral gelegen und dort können die Rinder immer hin.

Von dieser Basis aus gehen Triebwege in 3 Richtungen weg, an diesen Wegen gibt es immer Portionskoppeln. Also Koppel 1 wird geöffnet und beweidet, wenn die abgegrast ist, gehts in die Nebenkoppel 2 (und 1. wird geschlossen). Der Triebweg wird somit immer länger. Nach ca. 3 bis 4 Wochen ist diese Ecke durch und dann wird dort komplett geschlossen und es geht in einer anderen Ecke wieder los.

Ja es ist Mehraufwand im Bezug auf den Koppelbau, aber meist nur einmal im Jahr und dann Stückweise.

Ich verwende als Innenzaun Nylonlitz und alle möglichen Pfähle. Teilweise habe ich Kunststoffpfähle im Einsatz, teilweise Winkelstahlpfähle und ein Teil sind "Dachlattenpfähle".

Gerade die Dachlatten halten ca. 5 Jahre und danach werden die thermisch recyled. Der Vorteil ist, die kann man auch einschlagen.

Gruß erstmal Ulf



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