Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

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Manfred
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Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von Manfred » 18.09.2019, 21:20

Der im Silicon Valley sitzende Think Tank RethinkX prognostiziert in wenigen Jahren das Ende der Tierhaltung wie wir sie heute kennen.
Industriell hergestellte Proteine sollen bis 2035 zehnmal billiger sein als das, was Fleisch heute kostet. So billig wie Zucker.
Und sie sollen zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden, die den heutigen Fleischprodukten in allen sensorischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften überlegen sind.

"We are on the cusp of the deepest, fastest, most consequential disruption in food and agricultural production since the first domestication of plants and animals ten thousand years ago. This is primarily a protein disruption driven by economics. The cost of proteins will be five times cheaper by 2030 and 10 times cheaper by 2035 than existing animal proteins, before ultimately approaching the cost of sugar. They will also be superior in every key attribute – more nutritious, healthier, better tasting, and more convenient, with almost unimaginable variety. This means that, by 2030, modern food products will be higher quality and cost less than half as much to produce as the animal-derived products they replace."

Die gesamte Studie kann man hier herunterladen:
https://static1.squarespace.com/static/ ... Report.pdf



Fred
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Re: Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von Fred » 19.09.2019, 18:21

Manfred hat geschrieben:
18.09.2019, 21:20
Industriell hergestellte Proteine sollen bis 2035 zehnmal billiger sein als das, was Fleisch heute kostet. So billig wie Zucker.
Solche claims werden eigentlich ständig von Think-Thanks gemacht, die für ihr Institut eine Weiterfinanzierung brauchen. Das sind dann hoch-Risiko Geldanlagen wo wnn überhaupt aus Einem von Tausend relevante Produkte werden. Was man auch bedenken muss, mit solchen künstlich-Produkten, wie auch indoor-Farming, läßt sich zwar theorethisch auch die Menschheit ernähren, aber nur, wenn Energie- und deren Kosten keine Rolle spielen.
In dem Film "Feeding 10 Billion" wird doch auch in ein Forschungslabor geschaut, die an dem Kunst-Bürger arbeitet.
[



Manfred
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Re: Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von Manfred » 20.09.2019, 08:29

So einfach würde ich das nicht abtun.
In diesen Bereich sind die letzten Jahren bei den Lebensmittelkonzernen viele Milliarden an Forschungsmitteln geflossen und es gibt erhebliche Fortschritte.
Bei Andritz und Bühler & Co. werden inzwischen Lebensmittelextruder gebaut, die Produkte ausspucken, die Käse und Hähnchenbrust schon recht nahe kommen.
Und selbst eine kleine Entwicklungsklitsche wie Beyond Meat, mit gerade mal 400 Mitarbeitern, wird mit 6 Milliarden Doller Börsenwert gehandelt.
Solche Erwartungen auf zukünftige Gewinne entstehen nicht aus dem Nichts.

Die Frage ist für mich nicht, ob das kommt, sondern eher wann und in welchem Umfang und wie sich das auf die Landwirtschaft auswirkt.
Wenn Fleisch, statt es, wie es uns die regenerative Landwirtschaft ermöglicht, wieder ohne Schaden bzw. sogar zum Vorteil für unsere Mitwelt zu produzieren, zukünftig aus pflanzlichen Ackerbau-Rohstoffen aus der Intensivlandwirtschaft in chemischen Fabriken gewonnen wird, dann stirbt die Option, die Böden in den spröden Regionen der Erde (2/3 der Landmasse) mit Nutztierherden zu heilen und die intensiv genutzten Böden werden noch schneller erodieren.
Das ist eine deutlich größere Bedrohung für die Zukunft der Menschheit als die CO2-Emissionen.



Manfred
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Re: Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von Manfred » 20.09.2019, 14:07

Hier noch zwei Artikel auf Deutsch über die RethinkX-Veröffentlichung:

Frei lesbar: Kalifornische Denkfabrik
Fleisch und Milch werden zum Auslaufmodell

https://www.agrarzeitung.de/nachrichten ... dell-88617

Neue Studie: "Wir stehen vor der schnellsten, tiefsten und
folgenreichsten Disruption in der Geschichte"

https://vegconomist.de/studien-und-zahl ... eschichte/



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Re: Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von alpenblümchen » 20.09.2019, 23:22

auch wenn fleisch-und milchersatz in zukunft durch mikroorganismen erzeugt, und erfolgeich vermarktet werden, braucht es vermutlich dennoch den grundstoff der vom acker kommt.

schweine und geflügel sind effizient beim zuwachs von fleisch. ob das übertroffen werden kann?

möglich dass das verteufeln vom fleisch durch die propagandamedien bereits eine marktvorbereitung für fleischersatz ist.



Fred
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Re: Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von Fred » 21.09.2019, 19:46

Manfred hat geschrieben:
20.09.2019, 08:29
So einfach würde ich das nicht abtun.
In diesen Bereich sind die letzten Jahren bei den Lebensmittelkonzernen viele Milliarden an Forschungsmitteln geflossen und es gibt erhebliche Fortschritte.
Bei Andritz und Bühler & Co. werden inzwischen Lebensmittelextruder gebaut, die Produkte ausspucken, die Käse und Hähnchenbrust schon recht nahe kommen.
[..]
Die Frage ist für mich nicht, ob das kommt, sondern eher wann und in welchem Umfang und wie sich das auf die Landwirtschaft auswirkt.
Ich will nicht behaupten die "bessere" Kristallkugel zu haben. Es kann so, oder anders kommen.
Jedenfalls aus der Geschichte gab es schon viele Technologien, welche die Gesellschaft radikal wandeln sollte, und am Ende blieben einige Nischenprodukte übrig.



Fred
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Re: Industiell hergestellte Proteine: Das Ende der Tierhaltung, wie wir sie kennen...

Beitrag von Fred » 21.09.2019, 20:22

Manfred hat geschrieben:
20.09.2019, 14:07
Hier noch zwei Artikel auf Deutsch über die RethinkX-Veröffentlichung:
Was mir darin auffällt:

"Die Kosten für diese neuen Verfahren seien in den vergangenen Jahren exponentiell gesunken. Bis 2025 könnten sie auf weniger als 10 US-$ je Kilogramm fallen. Bis 2035 würden sie fünfmal und bis 2035 zehnmal billiger sein als klassische tierische Proteine. "

Da ist ziemlich viel Extrapolation dabei, nicht nur linear sondern exponentiell. Die Chipindustrie hat in den 1960er Jahren eine Moore-Law exponentielle Weiterentwicklung postuliert. Mehrfache Technologiesprünge haben ermöglicht, dies lange aufrecht zu erhalten, bis... vor ~2 Jahren hat der letzte geplante Shrink nicht funktioniert, und die Hardware-Preise sind heute noch höher, als erwartet. Das liegt daran, daß alles nur in gewissen Grenzen funktioniert. Dies wird durch die Sigmoidfunktionen beschrieben. Holistic Management ist eine der wenigen Wissenschaften wo darauf bezug genommen wird, daß bei uns im Studium nur Randnotiz war hat mich schon damals irritiert. Die logistische Sigmoidfunktion sieht anfangs auch wie ungezügeltes exponentiales Wachstum aus. ... Nun mal sehen...

Von der neuen Technologie sollen die Verbraucher profitieren, weil die Produkte nahrhafter, gesünder, schmackhafter und abwechslungsreicher seien.

Puh, da wird es wohl die Frage sein, was man als Refernz hinzuzieht. Ob man mit Kobe-Steak oder Systemgastro-Produkte vergleicht. Solche pauschal lobende Aussagen fallen für mich unter Jubel-Perser. Daß große Konzerne Milliarden Investieren, damit der Verbraucher profitiert ist jedoch Märchen. Bei solchen Summen geht es immer um die Optimierung eigener Profite.

Die drastische Schlussfolgerung lautet: „Die industrielle Viehzucht wird zusammenbrechen, lange bevor moderne Technologien das perfekte zelluläre Steak zu einem wettbewerbsfähigen Preis produzieren.“

Nun, das könnte passieren, einfach weil die Produkte der industriellen Viehzucht keine qualitativen Argumente mehr vorbringen können. Vielleicht braucht man da nicht traurig sein, vielleicht führt das zu einer Renaissance der Weidehaltung.

Bei der Verbreitung der Technologie der exakten Fermentation sollen globale Datenbanken genutzt werden, in denen Lebensmittelproduzenten das Know-how für die einzelnen Bausteine ihrer Produkte finden. Die Studie spricht deshalb von einem „Food-as-Software-System“: Verarbeiter können daraus die Moleküle auswählen, die sie für ihr Produkt benötigen. Produziert werden sollen die Lebensmittel schließlich durch die Nutzung regional erzeugter pflanzlicher Rohstoffe.

In welchem Traumland lebt dieser Schreiberling...Profit läßt sich mit einer Technologie nur machen, solange die Technik nicht öffentlich, allgemeinverfügbar ist. Von wegen "globale Datenbanken". "Nutzung regional erzeugter pflanzlicher Rohstoffe" alsolutes wünsch-dir-was-heile-Welt Jargon. Wir erzählen den Leuten was sie hören wollen, um an ihr Geld zu kommen, aber mit Kapitalistischem Wirtschaftsmodell in großem Masstab nicht vereinbar.

Aber gut, daß Disruptionen zu erwarten sind, es ist nicht zu erwarten, daß die Menschheit nochmal 50 Jahre so weitermachen kann, wie bisher. Was halt zu denken gibt, daß solche "Scheinlösungen" als Lösungen so ein Forum und Verbreitung finden, während die inzwischen bekannten Wege naturgemäßer wirtschaftsweisen kaum Resonanz finden.
Die Idee des Kurses von "Kiss the Soil", die Menschen nicht gleich zum Praktiker auszubilden, sondern nur als Advokat, um das Wissen in der Gesellschaft bekannt zu machen finde ich da schon clever.
Das ist, was ich darüber denke. Sicher kann es auch sein, daß die Gesellschaft -wieder mal- in eine Richtung rennen wird, die ich absehbar nicht gut finde (aber einige wenige reich macht). Dennoch denke ich daß auch dieses Thema momentan heißer gekocht wird, als es später gegessen wird.



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