Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

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davX
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Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von davX » 03.08.2019, 11:54

Hallo zusammen,

ich hoffe, das Thema ist hier richtig. Was mir schon länger durch den Kopf geht, das ist die Frage nach der Abgrenzung der Regenerativen Landwirtschaft zu anderen Praktiken.

Durch Videos, Bücher/Literatur und Artikel im Internet habe ich schon eine ungefähre Ahnung, was ich mir darunter vorstellen kann. Ich versuche hier daher mal genauer zu definieren, was man darunter versteht und dann wie sich anderen Begriffen unterscheidet.

Definition:
Die Regenerative Landwirtschaft kann man grundsätzlich unterteilen in Tierhaltung (Mob Grazing) und Ackerbau (Regenerativer Ackerbau), sowie gemischte Systeme (Hutewald, Sylvopasture usw.). Beim Ackerbau gäbe es wiederum zu unterscheiden zwischen Agroforstsysteme, Fruchtfolge- und Mischkulturtechniken und technische Ansätze (Komposteinbringung, Komposttees, Mulchtechniken/Direktsaat, Bodenlockerung usw.).
Wichtig bei der Regenerativen Landwirtschaft ist (nach meinem bisherigen Wissen), dass grosse Flächen effizient berabeitet werden können. Im Vergleich zu anderen Konzepten ist in der Regenerativen Landwirtschaft auch wichtig, dass schonend mit den menschlichen Arbeitskräften umgegangen wird und man wenn möglich auch ziemlich grosse Flächen bewirtschaften kann.

Abgrenzung zu integrierter Anbau, konventioneller und biologischer Landwirtschaft:
Die Überschneidung mit konventioneller Landwirtschaft ist sehr gering. Integrierter Anbau und Biolandwirtschaft enthalten zwar Ansätze zu einer regenerativen Bewirtschaftung, sind in der Praxis meist auch Humus abbauend und fördern das Bodenleben zu wenig. Die Biolandwirtschaft mit ihren strengen Regeln kann für die Regenerative Landwirtschaft sehr einschränkend sein, gerade wenn bei Beginn Humus aufgebaut werden soll, und sich gewisse Probleme z.B. mit sehr grossen Kompostgaben oder mit dem gezielten, einmaligen Einsatz von Pestiziden schnell in den Griff bekommen liesse.

Abgrenzung zur Permakultur:
Unter dem Begriff Permakultur-Landwirtschaft ist seit einigen Jahren eine Bewegung im Entstehen, die nach meiner Einschätzung eine relativ grosse Überschneidung mit regenerativer Landwirtschaft hat. Da die Permakultur allgemein sehr weit gefasst wird und bisher überwiegend eher auf Stufe von Hausgärten, Gemeinschaftsgärten und Selbstversorgung genutzt wird, sich aber auch in soziale Bereiche und andere Bereiche des Lebens ausweitet (Architektur und Bauen, Finanzen, Zusammenleben usw.), ist da dann die Überschneidung eher geringer. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Permakultur Landwirtschaft sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat und in Zukunft vermutlich noch an Bedeutung gewinnen dürfte. Mit der Permakultur Landwirtschaft sehe ich denn auch die grösste Übereinstimmung.

Abgrenzung zum biointensiven Anbau/Marktgärtnerei:
Unter biointensivem Anbau fasse ich nicht nur die Techniken von John Jeavons und Allan Chadwick zusammen, sondern rechne dazu auch, was im weiteren Sinne von den französischen Marktgärtnern des 19. Jahrhunderts und von Eliot Coleman, der sich von ihnen inspirieren liess. Und dann natürlich auch Leute wie Jean-Martin Fortier, Curtis Stone oder Richard Perkins. Es geht mir dabei nur um den biointensiven Anbau, z.B. bei Perkins kommen ja auch noch Nutztierhaltung dazu und eher extensiv bewirtschaftetes Land, das klammere ich hier mal aus. Der Einfluss auf den Boden ist durch den intensiven Anbau nicht sehr gross, was einerseits gut ist, wenn das restliche Land nachhaltig bewirtschaftet wird. Wenn viele Leute diese Art von Anbau betreiben würde, gäbe es also weniger Bedarf an Produkten, die auf eine für den Boden nicht nachhaltige Weise angebaut werden. Würde der Boden versiegelt oder sonst nicht nachhaltig genutzt, z.B. überweidet oder durch intensive Landwirtschaft ausgelaugt, wäre letztlich auch nicht so viel gewonnen. Der Unterschied sehe ich in einem personenintensiveren Ansatz und dass zwar mit der Fläche sparsamer umgegangen wird, auf der Kehrseite aber auch weniger Fläche nachhaltig bewirtschaftet wird.

Abgrenzung zur Agroökologie:
Für mich ist die Agroökologie ehrlich gesagt bisher etwas schwer zu fassen. Lange war es ein Konzept der Wissenschaft und Forschung, das wenig Bedeutung in der Praxis hatte. In den 1990er Jahre schwappte es als Bewegung aus Südamerika über in den Rest der Welt. Nach meinem Verständnis geht es dabei um nachhaltige, kleinbäuerliche Anbauweise, meist von Hand, seltener mit Arbeitstieren. Inwiefern auch eine maschinelle (nachhaltige) Bewirtschaftung, wie sie in der regenerativen Landwirtschaft betrieben wird, denkbar ist unter diesem Begriff, entzieht sich meinen Kenntnissen.
Ich sehe jetzt keine so grosse Überschneidung, obwohl das Ziel ähnlich ist, so ist die regenerative Landwirtschaft aus meiner Sicht eher ein westlicher Ansatz, der mit wenig Bauern das Problem in Griff zu bekommen, während die Agroökologie ein kleinbäuerlicher Ansatz ist, der den Effekt mit der Masse erzielt und mit einer eher bescheidenen Lebensweise einhergeht.

Abgrenzung zur natürlichen Landwirtschaft:
Die Natürliche Landwirtschaft ist insbesondere in Indien und in Japan verbreitet und geht unter anderem auf Masanobu Fukuoka (Natural Farming) und Mokichi Okada (Nature Farming) zurück. Beiden gemeinsam ist eine tiefe spirituelle Überzeugung, die Ablehnung von Kunstdüngern, Pestiziden und ein tiefer Respekt für die Natur. Im Unterschied zu den meisten anderen landwirtschaftlichen Anbauweisen steht eine spirituelle Philosophie als Einstellung und Arbeitsgrundlage im Vordergrund und nicht eine wissenschaftliche, materielle Sichtweise. Eine Übertragung ihrer Techniken in unsere westliche Welt ist weder einfach, noch mit unseren Lebensvorstellungen zu vereinbaren. In Folge wurde das Konzept oft missverstanden, insbesondere der im deutschen und englischsprachigen Raum herumgeisternde Begriff einer "Nichtstun-Landwirtschaft" (do nothing agriculture) führte viele in die Irre, die der Idee des "mu", einem Begriff für das Fehlen eines geistigen Konzepts, was oft mit "Nichts" übersetzt wird (man kennt es am ehesten im Westen noch vom Meditieren, wo es eben um diesen Zustand geht des Nichts, des nicht denkens). Dieser liesse sich besser übersetzen als eine unvoreingenommene Haltung gegenüber der Natur, dass man wie ein Kind beobachtet ohne zu werten und erst schaut, was passiert und nicht voreilige Schlüsse zieht. Zudem bedarf ein so tiefes Verständnis auch viel Zeit, um die Systeme abzustimmen und optimieren. Was da als Nichtstun präsentiert wird, ist ein langer Prozess harter Arbeit und Lernens.
Die Überschneidung mit der Regenerativen Landwirtschaft sehe ich als eher gering, zumal sie eher weniger in unser westliches Denksystem passt und die natürliche Landwirtschaft am ehesten von den hier beschriebenen Konzepten noch zur Agroökologie passt (obwohl in Permakulturbüchern gerne sie auch zur Permakultur gerechnet wird). Aus Sicht des Bodens betrachtet, ist sie aber auch regenerativ.

Gibt es Ergänzungen, Anmerkungen, Korrekturen zu meinem Einordnungsversuch? Habe ich wichtige Themen der Regenerativen Landwirtschaft vergessen? Gäbe es noch Konzepte der Landwirtschaft, mit der man sie vergleichen könnte?

Was mich zudem interessieren würde, wie sieht es aus in der Regenerativen Landwirtschaft mit Themen wie:
- Teichsysteme, ggf. mit Fischzucht oder Grauwasseraufbereitung
- Aquasysteme im Sinne von essbaren Wasserpflanzen (Reis, Lotoswurzeln,...)
- Wassergärten, sprich Gärten, die am Wasser gebaut sind und daher produktiver sein sollen (Chinampas, Hortillonages)
- Freiland-Aquakulturen/Aquaponik (Fischzucht, Fisch-Pflanzensysteme)

Sind diese Themen in der Regenerativen Landwirtschaft ein Thema bzw. sind sie aus eurer Sicht vereinbar mit ihr?


Es preciso conocer el nombre de las plantas para que podamos salutarlas y ellas nos saluden a nosotros.
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Manfred
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Re: Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von Manfred » 03.08.2019, 22:47

Da haben wir doch stark abweichende Ansichten.

Der Begriff Regenerative Landwirtschaft setzt sich einfach aus regenerativ und Landwirtschaft zusammen.
Darunter fallen also alle Landwirtschaftspraktiken, die eine regenerative Wirkung haben, sprich die Bodenfruchtbarkeit, den Wasserhaushalt, die Biodiversität usw. wiederherstellen.
Dabei gibt es keinerlei Abgrenzung zu wie auch immer anders definierten Formen der Landwirtschaft.
Egal ob konventionell oder biologisch oder... jeder Entwicklungsschritt in Richtung regenerativ wird gerne gesehen und ist Teil der Regenerativen Landwirtschaft.

Eine schlichte, aber umfassende Definition des Begriffs Permakultur habe ich hier zu übersetzen versucht:
https://www.regenerative-landwirtschaft ... ?f=15&t=44
„Permakultur ist die Methodik (Lehre von den Methoden), alle Bedürfnisse der Menschheit auf für die Natur vorteilhafte Weise zu befriedigen.“

Man könnte also sagen, dass Regenerative Landwirtschaft ein Weg hin zur Permakultur ist, bzw. zum Permakultur-Baukasten gehört völlig unabhängig von der Größe eines Betriebs oder Projekts.



Fred
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Re: Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von Fred » 04.08.2019, 12:44

davX hat geschrieben:
03.08.2019, 11:54
ich hoffe, das Thema ist hier richtig. Was mir schon länger durch den Kopf geht, das ist die Frage nach der Abgrenzung der Regenerativen Landwirtschaft zu anderen Praktiken.
Das ist in der Tat oft nicht so eindeutig, da wie von dir gesagt oft eine große Schnittmenge existiert. Zudem wird Regenerative Landwirtschaft oft als Sammelbegriff verwendet, für viele die aus eigener Initiative zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind, weil die Natur eben so funktioniert. Andererseits sind dadurch auch andere Bezeichnungen für sehr ähnliches entstanden, da die Leute auf der Suche nach einem passenden Begriff waren.

Regenerative Landwirtschaft entstand meist aus Landwirtschaftsbetrieben, die ihre Praktiken verbessert haben. Als Kriterium sehe ich vorallem den Humusaufbau. Seit der Neolithischen Revolution zieht der Ackerbauende Mensch von Einer Region zur nächsten und verzehrt die einstmals vorgefundene Humusschicht durch ungeeignete Anbaupraktiken (vgl. Buch "Dreck" von D.Montgomery). Parallel läuft die Regeneration der verbundenen Ökosysteme und Ökosystemparameter wie Manfred geschrieben hat.

Abgrenzung zur Permakultur:

Permakultur ist einer der wenigen Begriffe, zu denen es eine explizite Definition gibt, da der Begriff von B. Mollison und D. Holmgren geprägt und als Marke geschützt wurde. Diese Marke wurde dann gestiftet, an all diejenigen die einen 72-h Einstiegs Kurs absolvierten. Die Orginaldefinition von Bill Mollison ist allerdings etwas sperrig.
Wobei Permakultur und Permakultur Design zu unterscheiden sind. Der Kurs in Permakultur Design lehrt eigentlich die Fähigkeiten Dinge so umzugestalten, daß sie daurerhaft naturverträglich werden. Permakultur ist in seinem Kern ein Gestaltungssystem (" Design Science")
Da Permakutlur prinzipiell auch für neues Wissen und neuentwickelten Techniken offen ist übernimmt es auch problemlos die in der Regenerativen Landwirtschaft die letzten Jahre neuen Technologien, auch wenn das zugundelegende Buch in 1986 entstand.

Durch seine Wurzeln in der Ökosystemforschung zielt Permakultur -als ideal- weniger an klassischen Menschgemachten Strukturen, wie das Feld, als vielmehr an dem Mix der natürlichen Ordnung wie ihn alte Climax-Wälder zeigen. Wobei dies auch nicht heisst, daß in Permakultur alle Pflanzen durcheinander wachsen 'müssen', wie manche PK-Puristen meinen. Man strebt höhere Durchmischung an, da die Natur dies vormacht, schaut aber noch auf die Praktabilität.

Rgenerative Landwirtschaft, da meist aus Agrarbetrieben entwickelt, hält viel mehr an menschengemachten Strukturen fest weil Praktabilität unabdingbar, und schaut wie diese mehr diversifiziert werden können.
Abgrenzung zum biointensiven Anbau/Marktgärtnerei:

Abgrenzung zur Agroökologie:

Abgrenzung zur natürlichen Landwirtschaft:
Ich sehe da keine scharfen Abgrenzungen. Oftmals wie bei Sepp Holzer, der für seine Anbaumethode zuerst auch den Begriff Agro-Ökologie verwendete, dann auch den Begriff Permakultur benutzte, als sich herausstellte, daß er praktisch dasselbe tat wie Bill Mollison.

Für mich ist so eine Aufstellung eher als Übersicht, welche Entwicklungen es in der Regenerativen Landwirtschaft gibt denn als scharfe Abgrenzung zu sehen (danke für die kleine Zusammenstellung). Gerade habe ich das Buch über die Ferme Bec Hellouin in Frankreich. In diesem Buch geht es auf Weiten Strecken darum, wo sie sich alles Inspiration und Anleitung geholt haben, um dann das für sie passende daraus zu verwenden. In dem Buch ist praktisch die gesamte von dir erstellte Liste und noch paar mehr vertreten.
Was mich zudem interessieren würde, wie sieht es aus in der Regenerativen Landwirtschaft mit Themen wie:
- Teichsysteme, ggf. mit Fischzucht oder Grauwasseraufbereitung
- Aquasysteme im Sinne von essbaren Wasserpflanzen (Reis, Lotoswurzeln,...)
- Wassergärten, sprich Gärten, die am Wasser gebaut sind und daher produktiver sein sollen (Chinampas, Hortillonages)
- Freiland-Aquakulturen/Aquaponik (Fischzucht, Fisch-Pflanzensysteme)

Sind diese Themen in der Regenerativen Landwirtschaft ein Thema bzw. sind sie aus eurer Sicht vereinbar mit ihr?
Ja. Vorallem und gerade in der Permakultur gibt es eine regelrechte Begeisterung für die Aquakultur, wo immer man die Möglichkeiten dazu hat. Im Permakutlru-Handbuch hat die Aquakultur deshalb ihr eigenes Kapitel. Als Bill Mollison seinen Demonstrationsbetrieb Tagari Farm aufgebaut hat da hat er massiv Aquakultur Systeme errichtet. Für Regenerative Landwirtschaft, die noch mehr an der Feldwirtschaft festhält ist dies kein so großes Thema.
Ich sehe es wieder so: Die Dinge ergänzen sich.



Fred
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Re: Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von Fred » 04.08.2019, 14:28

Zufallsfund: Begriff Agrarökologie wird auch von Universitäten verwendet: https://www.master-and-more.de/master-a ... logie.html
Nachdem Bill Mollison 10 Jahre in einer Universität gelehrt hatte, war seine Motivation den Begriff Permakultur zu schützen auch dadurch motiviert, daß er dann nicht von den Univeritäten vereinnahmt werden kann, die sein Ganzheitliches System dann in seine Einzelteile wieder zerpflücken würden.



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davX
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Re: Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von davX » 18.08.2019, 22:19

Vielen Dank für eure Antworten. Das hat doch einige Klarheit gebracht.
Der Begriff Regenerative Landwirtschaft setzt sich einfach aus regenerativ und Landwirtschaft zusammen.
Darunter fallen also alle Landwirtschaftspraktiken, die eine regenerative Wirkung haben, sprich die Bodenfruchtbarkeit, den Wasserhaushalt, die Biodiversität usw. wiederherstellen.
Dabei gibt es keinerlei Abgrenzung zu wie auch immer anders definierten Formen der Landwirtschaft.
Egal ob konventionell oder biologisch oder... jeder Entwicklungsschritt in Richtung regenerativ wird gerne gesehen und ist Teil der Regenerativen Landwirtschaft.
Ja das klingt naheliegend und scheint mir eine gute Definition zu sein. Ich suchte wohl etwas zu weit mit meinem Einordnungsversuch. Ich hatte allerdings selbst nach dem Schreiben dann bemerkt, dass Richard Perkins sich beispielsweise auch diesem Thema verschrieben hat, der keine Probleme mit dem Begriff Permakultur hat.

Was die Definition von Permakultur angeht, gibt es sehr kreative Ansätze. Gut gefällt folgende Definition, die ich aus einem PDC von Will Hooker habe (den man online findet):

"Permaculture is revolution disguised as gardening."

Oder die Definition von Larry Santoyo ist auch recht elegant:

"Permaculture design is decision making, critical thinking, and problem solving protocols based on the patterns expressed in nature."

Die Definition von Mollison ist da natürlich umfassender und detaillierter, dürfte aber nicht ganz so eingängig sein.
Permakultur ist einer der wenigen Begriffe, zu denen es eine explizite Definition gibt, da der Begriff von B. Mollison und D. Holmgren geprägt und als Marke geschützt wurde. Diese Marke wurde dann gestiftet, an all diejenigen die einen 72-h Einstiegs Kurs absolvierten. Die Orginaldefinition von Bill Mollison ist allerdings etwas sperrig.
Wobei Permakultur und Permakultur Design zu unterscheiden sind. Der Kurs in Permakultur Design lehrt eigentlich die Fähigkeiten Dinge so umzugestalten, daß sie daurerhaft naturverträglich werden. Permakultur ist in seinem Kern ein Gestaltungssystem (" Design Science")
Da Permakutlur prinzipiell auch für neues Wissen und neuentwickelten Techniken offen ist übernimmt es auch problemlos die in der Regenerativen Landwirtschaft die letzten Jahre neuen Technologien, auch wenn das zugundelegende Buch in 1986 entstand.
Ich hatte das damals so abgespeichert, dass Permakultur ein Denk-Framework ist, also eine Art Werkzeugkasten. Mit welchem Werkzeug man ihn befüllt, hängt letztlich von dem Zweck ab, den man erfüllen möchte und hängt ab von der individuellen Situation. So wie man nicht sagen kann, dass eine Permakultur z.B. eine Kräuterspirale, einen Agroforst und ein Teichsystem bracht, kann man auch nicht sagen, dass ein Werkzeugkasten einen Hammer, ein paar Imbusschlüssel und eine Wasserwaage braucht. Wenn ich beispielsweise nur einige Sachen zusammenschrauben möchte, reicht unter Umständen ein Bitsatz und ein guter Akkuschrauber.
Ich sehe da keine scharfen Abgrenzungen. Oftmals wie bei Sepp Holzer, der für seine Anbaumethode zuerst auch den Begriff Agro-Ökologie verwendete, dann auch den Begriff Permakultur benutzte, als sich herausstellte, daß er praktisch dasselbe tat wie Bill Mollison.
Meines Wissens war es umgekehrt. Zuerst nannte er es Holzersche Spezialkulturen oder so ähnlich, dann machte man ihn auf das Konzept der Permakultur aufmerksam und dass das, was er mache, dem sehr ähnlich sei und er dann zum Begriff Holzersche Permakultur kam. Mit der Zeit schien er dann wieder etwas von dem Begriff abgekommen zu sein und verwendete dann den Begroff Agro-Ökologie. So habe ich das zumindest von Diskussionen bei Permies.com mitbekommen. Grund für die Änderung soll gewesen sein, dass Holzer gut Geld verdient mit Permakultur, was offenbar einigen Leuten nicht in den Kram passte und dass halt auch viel idealistisches und Soziales/Spirituelles unter dem Namen Permakultur lief (insbesondere in den Anfängen und bevor die regenerative Landwirtschaft und Permakultur Landwirtschaft in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen haben).

Man findet es übrigens auch online unter: https://www.seppholzer.at/cms/index.php?id=43
Für mich ist so eine Aufstellung eher als Übersicht, welche Entwicklungen es in der Regenerativen Landwirtschaft gibt denn als scharfe Abgrenzung zu sehen (danke für die kleine Zusammenstellung).
Das sehe ich ähnlich, denn ich merkte ja, dass es schwierig ist eine Abgrenzung zu machen, weshalb ich überhaupt erst auf die Idee kam, erst mal versuchen einzugrenzen, was es grob an Konzepten und Möglichkeiten gibt.
Gerade habe ich das Buch über die Ferme Bec Hellouin in Frankreich. In diesem Buch geht es auf Weiten Strecken darum, wo sie sich alles Inspiration und Anleitung geholt haben, um dann das für sie passende daraus zu verwenden. In dem Buch ist praktisch die gesamte von dir erstellte Liste und noch paar mehr vertreten.
Oh das finde ich jetzt echt interessant. Ich habe die englische Ausgabe ihres Buches (Miraculous Abundance) ebenfalls gelesen und war so begeistert, dass ich angefangen habe für mich es zusammenzufassen und auf Deutsch zu übersetzen (das Ziel wäre irgendwann mal eine Fassung zu haben, die soweit eigenständig wäre, dass ich sie veröffentlichen könnte). Oder meinst du das neue Buch, das sie kürzlich erst herausgebracht haben?
Ja. Vorallem und gerade in der Permakultur gibt es eine regelrechte Begeisterung für die Aquakultur, wo immer man die Möglichkeiten dazu hat. Im Permakutlru-Handbuch hat die Aquakultur deshalb ihr eigenes Kapitel. Als Bill Mollison seinen Demonstrationsbetrieb Tagari Farm aufgebaut hat da hat er massiv Aquakultur Systeme errichtet. Für Regenerative Landwirtschaft, die noch mehr an der Feldwirtschaft festhält ist dies kein so großes Thema.
(Hervorhebung von mir)
Danke, das deckt sich also in etwa mit meinen Beobachtungen.
Zufallsfund: Begriff Agrarökologie wird auch von Universitäten verwendet: https://www.master-and-more.de/master-a ... logie.html
Nachdem Bill Mollison 10 Jahre in einer Universität gelehrt hatte, war seine Motivation den Begriff Permakultur zu schützen auch dadurch motiviert, daß er dann nicht von den Univeritäten vereinnahmt werden kann, die sein Ganzheitliches System dann in seine Einzelteile wieder zerpflücken würden.
Ja das ist beides bekannt ;). Die Agrarökologie war zuerst auch nur ein in der Wissenschaft (uns somit an Universitäten) verwendeter Begriff und schwappte dann offenbar von Lateinamerika als Begriff für Bauern, die sich organisieren und so nennen, auf die USA und von da nach Europa über.
Dass Mollison nicht gut auf Universitäten zu sprechen war, das dürfte sich wahrscheinlich herumgesprochen haben, aber was ich noch spannend fand, dass an der Uni in Tasmanien offenbar ein gewisser Freigeist herrschte, welcher Leute wie Holmgren anzog (der ja vom "Festland" nach Tasmanien kam) und vermutlich bot sie auch Mollison etwas mehr Freiheit als andere Universitäten, dass er sich auf eine Anstellung dort einliess, oder aber seine Abneigung verstärkte sich in seinen späteren Jahren noch mehr, zumal er ihr auch bald den Rücken kehrte, nachdem die Permakultur ihre Anfänge nahm. Zu Beginn riefen sie ja noch in Hobart die "Republic of Strickland Avenue" aus, benannt nach der Strasse, an der sie wohnten.
Eine interessante Zusammenfassung zu den Anfängen, welche solche Details behandelt, findet man hier:
https://pacific-edge.info/2007/07/a-sho ... maculture/


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Manfred
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Re: Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von Manfred » 19.08.2019, 17:36

Holzer scheint in den USA ja einen starken Markt zu haben.
Dort sehen ihn viele als strahlenden Held, ohne seine negativen Seiten.
Bzw. was hier negativ auffällt, ist in der von einem kälteren Kapitalismus geprägten US-Kultur evtl. gar nicht als negativ angesehen.
In einem Interview hat er mal gesagt, in den USA hätte ihm ein Professor von der Verwendung des Begriffs Permakultur abgeraten, wegen der dort starken Zuordnung es Begriffs zur linken Hippie-Szene. Das kommt bei vielen republikanischen Grundeigentümern nicht gut an.
Der im deutschsprachigen Raum kaum genutzte Begriff Agrarökologie bzw. Agro-Ökologie ist dort geläufig und politisch weitgehend neutral.



Manfred
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Re: Abgrenzung von Regenerativer Landwirtschaft

Beitrag von Manfred » 19.08.2019, 17:49

Das hier müsste besagtes Interview sein.



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